Energiekosten im Krankenhaus senken – ohne bei Patientinnen und Patienten zu sparen

Energie und Kosten · · Lesezeit etwa 14 Minuten

Energiekosten im Krankenhaus senken, ohne an Patientenzimmern zu sparen: wohin die Energie fließt, typische Fehler und welche Raumdaten helfen.

Wer die Energiekosten im Krankenhaus senken will, steht vor einem Widerspruch: Ein Krankenhaus läuft rund um die Uhr, viele Bereiche haben feste hygienische und technische Anforderungen, und in den Patientenzimmern darf niemand frieren oder schwitzen, nur damit die Rechnung kleiner wird. Gleichzeitig zeigen Erhebungen und Projekte seit Jahren, dass in vielen Häusern Energie eingesetzt wird, ohne dass ein Raum davon etwas hat – Lüftung, die nachts in leeren Bereichen auf Volllast läuft, Heizungen, die am Wochenende Büroflure versorgen, oder Kühlung gegen Sonne, die ein Sonnenschutz abhalten könnte. Dieser Beitrag zeigt, wohin die Energie in einem Krankenhaus fließt, warum Einsparungen so oft an fehlenden Daten scheitern und wie Messwerte aus den Räumen helfen, Maßnahmen dort anzusetzen, wo sie den Betrieb nicht stören.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Krankenhaus braucht viel Wärme und viel Strom. Bundesweite Durchschnittswerte liegen bei rund 29.000 kWh Wärme und rund 6.000 kWh Strom je Bett und Jahr [2]; Strom macht etwa ein Fünftel der Energiemenge, aber rund die Hälfte der Energiekosten aus [1].
  • Die größten Verbraucher sind Heizung, Lüftung und Klimatisierung. Viele Einsparungen entstehen nicht durch neue Technik, sondern durch Betriebszeiten und Sollwerte, die zur tatsächlichen Nutzung passen [4][5].
  • Was fehlt, ist oft der Blick in den einzelnen Raum: Zähler zeigen den Verbrauch des Gebäudes, aber nicht, ob ein Raum zu dieser Zeit genutzt wurde und welche Bedingungen dort herrschten [1][2].
  • Hygienisch kritische Bereiche wie OP, Intensivstation oder Isolierzimmer folgen DIN 1946-4 und den Vorgaben des Hygieneteams. Jede Änderung dort gehört in die Hände der Fachleute [8].
  • Raumdaten ersetzen keine Energieberatung. Sie machen sichtbar, wo Energie ohne Nutzen eingesetzt wird, und zeigen nach einer Maßnahme, ob die Bedingungen im Raum stabil geblieben sind.

Energieverbrauch im Krankenhaus: wohin die Energie fließt

Krankenhäuser gehören zu den energieintensivsten Gebäuden überhaupt. Eine Broschüre des baden-württembergischen Umweltministeriums ordnet Gesundheitseinrichtungen beim Energieverbrauch je Quadratmeter an die Spitze des Sektors Gewerbe, Handel und Dienstleistungen ein [5]. Die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt nennt als bundesweiten Durchschnitt etwa 6.000 kWh Strom und 29.000 kWh Wärme je Bett und Jahr; das entspreche dem Bedarf von etwa zwei modernen Eigenheimen [2]. Eine ältere Studie des Fraunhofer-Instituts UMSICHT, die 20 Krankenhäuser mit 300 bis 600 Betten untersucht hat, zitiert mit rund 24.700 kWh Wärme und 7.800 kWh Strom je Bett und Jahr eine ähnliche Größenordnung [1].

Für die Kosten ist das Verhältnis zwischen Wärme und Strom entscheidend. Nach derselben Fraunhofer-Studie macht Strom nur etwa 20 Prozent der Energiemenge eines Krankenhauses aus, aber etwa 50 Prozent der Energiekosten [1]. Wer an Kosten denkt, muss also beide Seiten betrachten: die große Wärmemenge für Heizung, Warmwasser und teilweise Dampf, und den teuren Strom für Lüftungsventilatoren, Kälteanlagen, Pumpen, Beleuchtung, IT und Medizintechnik.

Zwei gestapelte Balken: Strom hat einen kleinen Anteil an der Energiemenge, aber etwa die Hälfte der Energiekosten im Krankenhaus Abbildung 1: Strom und Wärme im Krankenhaus – Anteil an der Energiemenge und an den Energiekosten (gerundete Richtwerte). Quelle: [1].

Gemessen an den Gesamtkosten eines Krankenhauses sind Energiekosten zwar kein großer Block: Die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt nennt einen Anteil von 3 bis 5 Prozent [2]. Anders als viele andere Kosten lassen sie sich aber beeinflussen, ohne dass Personal, Versorgung oder Leistungsangebot berührt werden. In einer bundesweiten Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) gaben 63 Prozent der antwortenden Krankenhäuser an, bei der Energie- und Stromversorgung Optimierungspotenzial zu sehen [3].

Wo genau die Energie hingeht, ist in vielen Häusern unklar. Die Fraunhofer-Studie hielt fest, dass der Stromverbrauch einzelner Geräte und Anlagen „fast vollständig unbekannt“ sei, und beschrieb raumlufttechnische Anlagen als einen großen Teil des Stromverbrauchs, ohne ihn genau beziffern zu können [1]. Internationale Daten bestätigen das Bild: Eine Auswertung US-amerikanischer Gesundheitsbauten fand, dass Raumheizung, Lüftung, Warmwasser und Kühlung zusammen 63 Prozent des Energieverbrauchs ausmachen [6]. Nach der US-Gebäudeerhebung CBECS 2018 hatten stationäre Gesundheitsbauten den höchsten Heiz- und Lüftungsenergiebedarf je Fläche aller untersuchten Gewerbegebäude [7].

Ursachen: warum Krankenhäuser mehr Energie verbrauchen als nötig

Ein Teil des hohen Verbrauchs ist unvermeidbar. Patientinnen und Patienten liegen Tag und Nacht in ihren Zimmern, Funktionsbereiche brauchen definierte Luftmengen und Temperaturen, und viele Anlagen müssen ausfallsicher betrieben werden. Ein anderer Teil entsteht aber, weil Gebäude und Nutzung auseinanderlaufen. Die folgenden Ursachen tauchen in Leitfäden und Projektberichten immer wieder auf.

Betriebszeiten, die nicht zur Nutzung passen

Viele Anlagen laufen 24 Stunden, obwohl die Räume, die sie versorgen, nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden. Im Klimaschutzprojekt KLIK, an dem 51 Krankenhäuser und Reha-Kliniken teilnahmen, wurde etwa die Lüftung eines Personalumkleidebereichs vom 24-Stunden-Betrieb auf 5 bis 22 Uhr umgestellt; das sparte nach Angaben des Projekts rund 59 MWh im Jahr [4]. Der Projektleitfaden betont ausdrücklich, dass nicht alle Anlagen im 24-Stunden-Betrieb laufen müssen und zuerst die tatsächlichen Nutzungszeiten ermittelt werden sollten [4]. Auch in der Broschüre aus Baden-Württemberg finden sich Beispiele, in denen die Heizung über das Wochenende heruntergefahren wurde oder Lüftungsanlagen nach Umnutzungen nicht mehr zum Bedarf passten [5].

Sollwerte, die einmal eingestellt und nie überprüft wurden

Raumtemperaturen, Vorlauftemperaturen und Kühlsollwerte werden bei der Inbetriebnahme festgelegt und danach selten wieder angefasst. Der KLIK-Leitfaden nennt als Faustregel, dass eine um ein Grad niedrigere Raumtemperatur etwa 6 Prozent Heizenergie spart [4]. Das heißt nicht, dass Patientenzimmer kälter werden sollen. Es heißt, dass Flure, Treppenhäuser, Lager oder Technikräume oft wärmer gehalten werden als nötig. In KLIK haben technische Teams bei Rundgängen Grundtemperaturen in Fluren, Treppenhäusern und Kellern abgesenkt und Thermostatbereiche neu eingestellt [4]. Ein weiteres Beispiel aus dem Projekt: Serverräume wurden in Abstimmung mit der IT von 18 auf 24 Grad gestellt [4].

Umnutzung ohne Anpassung der Technik

Krankenhäuser bauen ständig um. Aus einem Untersuchungsraum wird ein Büro, aus einer Station ein Bereich für ambulante Leistungen. Die Lüftungs- und Heizungstechnik wird dabei selten neu eingestellt. Die baden-württembergische Broschüre beschreibt am Beispiel eines Universitätsklinikums, dass Räume anders genutzt wurden als ursprünglich geplant und Luftmengen, Raumtemperaturen und Betriebszeiten deshalb nicht mehr zum Bedarf passten [5].

Sonne und Kühlung

Patientenzimmer auf der Süd- oder Westseite heizen sich im Sommer auf. Wo Kühlung vorhanden ist, arbeitet sie dann gegen eine Wärme, die ein außenliegender Sonnenschutz zu einem großen Teil abhalten könnte. Ohne Messwerte je Raum ist schwer zu erkennen, welche Zimmer betroffen sind und ob die Ursache die Lage, die Technik oder die Nutzung ist.

Fehlende Daten auf Raumebene

Die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt hält für komplexe Strukturen wie Krankenhäuser ein Messkonzept zur Energiedatenerfassung für erforderlich und nennt dafür unter anderem Unterzähler [2]. Zähler beantworten aber vor allem die Frage, wie viel ein Gebäude oder eine Anlage verbraucht. Ob dieser Verbrauch einem genutzten Raum zugutekommt, sehen sie nicht. Genau diese Lücke entscheidet häufig darüber, ob eine Maßnahme mutig umgesetzt oder aus Sorge um die Patientenzimmer verworfen wird.

Energiekosten im Krankenhaus senken: typische Fehler

Aus den genannten Ursachen ergeben sich wiederkehrende Fehler, die Einsparungen verhindern oder Ärger auf Station verursachen.

Pauschal statt raumweise: Wird die Heizkurve für ein ganzes Gebäude abgesenkt, werden kühle Zimmer auf der Nordseite zu kalt, während warme Zimmer auf der Südseite unverändert bleiben. Beschwerden führen dann zur Rücknahme der Maßnahme.

Hygienebereiche ohne Fachleute anfassen: Absenkbetrieb in OP-Bereichen oder Isolierzimmern ist nur mit dem Hygieneteam, im Rahmen von DIN 1946-4 und der Vorgaben der Einrichtung, denkbar [8]. Wer hier ohne Abstimmung spart, riskiert weit mehr als Energiekosten.

Maßnahmen ohne Nachweis: Eine Änderung wird umgesetzt, aber niemand prüft, ob die Raumbedingungen danach stabil geblieben sind. Bei der nächsten Beschwerde fehlt die Grundlage für eine sachliche Diskussion.

Nutzerinnen und Nutzer vergessen: Der KLIK-Leitfaden schätzt, dass bis zu 10 Prozent der Energie durch das Verhalten der Menschen im Haus eingespart werden können, wenn sie aktiv informiert und beteiligt werden [4]. Ohne Rückmeldung zu ihren Räumen fällt Beteiligung schwer.

Daten in Silos: Zähler, Gebäudeleittechnik und einzelne Sensoren liefern Werte in unterschiedlichen Systemen. Ohne Zuordnung zu Räumen und Nutzung bleiben sie Zahlenreihen, die niemand auswertet.

Energiesparmaßnahmen im Krankenhaus: was die Praxis zeigt

Die folgenden Maßnahmen stammen aus öffentlichen Leitfäden und Projektberichten. Die genannten Werte gelten für die dort beschriebenen Häuser und lassen sich nicht auf jedes Krankenhaus übertragen. Sie zeigen aber, wo sich das Hinsehen lohnt.

BereichBeispiel aus Leitfaden oder ProjektWas Raumdaten dazu beitragen können
LüftungBetriebszeit einer Lüftungsanlage für Umkleiden von 24 Stunden auf 5–22 Uhr angepasst, rund 59 MWh/Jahr [4]Belegung und CO₂-Verlauf zeigen, wann ein Raum tatsächlich genutzt wird
HeizungGrundtemperaturen in Fluren, Treppenhäusern und Kellern abgesenkt, rund 400 MWh Gas/Jahr in einer Klinik mit über 1.000 Betten [4]Temperaturverläufe je Raum zeigen, wo es wärmer ist als nötig und wo nicht
KühlungServerraum-Sollwert angehoben (KLIK: von 18 auf 24 °C in Abstimmung mit der IT; Baden-Württemberg: von 21 auf 25 °C) [4][5]Verläufe zeigen, ob Räume nach der Änderung im vereinbarten Bereich bleiben
Pumpen und VentilatorenFrequenzumrichter an Ventilatoren und Pumpen, rund 70 MWh/Jahr in einem Beispiel [5]Zusammen mit Anlagendaten: ob Anlagen auch in Pausen auf Volllast laufen
BeleuchtungLichtsteuerung in einem Kreiskrankenhaus, rund 78 MWh/Jahr [5]Licht- und Präsenzdaten zeigen, wo Licht in leeren Räumen brennt
EnergiemanagementRund 20 % weniger Energie in einem Beispielhaus mit Energiemanagement [5]Raumdaten ergänzen Zählerdaten um die Frage, wofür die Energie genutzt wurde

Tabelle 1: Beispiele aus öffentlichen Leitfäden und Projektberichten. Die Einsparwerte stammen aus den jeweiligen Quellen und sind keine Zusagen für andere Häuser. Quellen: [4][5].

Auffällig ist, wie viele dieser Maßnahmen ohne große Investition auskommen. Sie setzen voraus, dass jemand weiß, wann ein Raum genutzt wird, welche Bedingungen dort herrschen und welche Anlage ihn versorgt. In einem Krankenhaus mit Hunderten Räumen ist dieses Wissen selten vollständig in einer Hand.

Energiemonitoring im Krankenhaus: drei Datenebenen

Energiemonitoring im Krankenhaus wird oft mit Zählerauswertung gleichgesetzt. Für Entscheidungen im Betrieb braucht es aber drei Ebenen, die zusammenpassen.

Drei Ebenen: Zähler zeigen den Verbrauch, Gebäudeleittechnik den Anlagenzustand, Raumdaten die Bedingungen und die Nutzung im Raum Abbildung 2: Zähler, Gebäudeleittechnik und Raumdaten beantworten unterschiedliche Fragen. Erst zusammen zeigen sie, wo Energie ohne Nutzen eingesetzt wird. Quellen: [1][2].

Ebene 1 – Zähler: Haupt- und Unterzähler zeigen, wie viel Wärme und Strom ein Gebäude, ein Bauteil oder eine Anlage verbraucht. Sie sind die Grundlage jedes Energiecontrollings und nach dem Energieeffizienzgesetz für größere Verbraucher ohnehin Teil eines Energie- oder Umweltmanagementsystems: Unternehmen mit einem jährlichen durchschnittlichen Gesamtendenergieverbrauch von mehr als 7,5 GWh in den letzten drei abgeschlossenen Kalenderjahren müssen ein solches System einrichten [10].

Ebene 2 – Gebäudeleittechnik (GLT): Die GLT kennt Betriebszustände, Sollwerte und Störmeldungen der Anlagen. Sie zeigt, ob eine Lüftungsanlage läuft und mit welcher Stufe. Ob der versorgte Raum zu dieser Zeit genutzt wurde, weiß sie in der Regel nicht.

Ebene 3 – Raumdaten: Sensoren im Raum messen Temperatur, Feuchte, CO₂, Licht oder Schall. Aus dem CO₂-Verlauf lässt sich ablesen, ob und wie stark ein Raum belegt war; die Temperatur zeigt, ob ein Raum über- oder unterversorgt ist. Raumdaten verbinden den Verbrauch mit der Nutzung. Für die Bewertung der Raumbedingungen bietet DIN EN 16798-1 einen anerkannten Rahmen für Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik [9].

Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz bekommt diese Verbindung zusätzlich Gewicht: § 56 GModG verlangt für Nichtwohngebäude mit Heizungs- oder Klimaanlagen von mehr als 70 kW Nennleistung bis Ende 2029 Systeme für die Gebäudeautomatisierung, die den Energieverbrauch kontinuierlich überwachen und analysieren und auch die Raumklimaqualität überwachen – es sei denn, das ist technisch nicht machbar oder wirtschaftlich unzumutbar [11]. Pflegeheime gelten nach dem Gesetz als Wohngebäude; für sie gilt § 56 nicht [12]. Was das im Einzelnen bedeutet, beschreiben wir in einem eigenen Beitrag.

Energieanalyse im Krankenhaus: Schritt für Schritt

Eine Energieanalyse im Krankenhaus muss nicht mit dem ganzen Haus beginnen. Bewährt hat sich ein Vorgehen in Schritten, das schnell erste Erkenntnisse bringt und die Stationen nicht belastet.

  1. Bereiche auswählen: Beginnen Sie dort, wo viel Energie bei unklarer Nutzung eingesetzt wird – etwa Verwaltungs- und Nebenflächen, Tagesräume, Wartebereiche, Therapieräume oder Bereiche mit wechselnder Nutzung.
  2. Vorhandene Daten sichten: Zählerstände, GLT-Exporte, Betriebszeiten und Grundrisse sind oft vorhanden, aber nicht verknüpft.
  3. Messen, wo Daten fehlen: Für einige Wochen werden Temperatur, CO₂, Feuchte und Licht in ausgewählten Räumen gemessen, an Werktagen und Wochenenden, Tag und Nacht.
  4. Abgleichen: Wann lief die Anlage, wann war der Raum genutzt, welche Bedingungen herrschten? Abweichungen werden sichtbar, etwa volle Lüftung in leeren Räumen oder warme Flure am Wochenende.
  5. Maßnahmen priorisieren: Nach Wirkung, Aufwand und Risiko. Bereiche mit hygienischen Anforderungen werden nur mit dem Hygieneteam betrachtet.
  6. Umsetzen und prüfen: Nach jeder Änderung zeigen die Raumdaten, ob die Bedingungen im vereinbarten Bereich bleiben.

Rechenbeispiel: was ein Grad in Nebenflächen bedeutet

Rechenbeispiel (illustrativ), Annahmen: Ein Haus hat 300 Betten. Nach dem bundesweiten Richtwert von 29.000 kWh Wärme je Bett und Jahr [2] ergibt das einen Wärmebedarf von rund 8.700 MWh im Jahr. Angenommen, 10 Prozent davon entfallen auf Flure, Treppenhäuser, Lager und Nebenflächen, also rund 870 MWh. Wird dort die Raumtemperatur um ein Grad gesenkt und gilt die Faustregel von etwa 6 Prozent je Grad [4], ergäbe das rechnerisch rund 52 MWh Wärme im Jahr. Die tatsächliche Wirkung hängt vom Gebäude, der Anlagentechnik und dem Ausgangszustand ab und muss vor Ort ermittelt werden; dieses Beispiel ist keine Zusage für ein bestimmtes Haus.

Das Beispiel zeigt vor allem, warum Raumdaten wichtig sind: Erst wenn feststeht, welche Räume tatsächlich Nebenflächen sind, wie warm sie heute sind und ob dort Menschen arbeiten, lässt sich eine solche Absenkung begründen.

Energiekosten im Pflegeheim senken und andere Einrichtungen

Die Grundgedanken gelten nicht nur für Krankenhäuser. Wer die Energiekosten im Pflegeheim senken will, hat es mit anderen Bedingungen zu tun: Bewohnerinnen und Bewohner leben dauerhaft im Haus, Zimmer sind ihr Zuhause, und Speise- und Gemeinschaftsräume werden zu festen Zeiten intensiv genutzt. Hier stehen Heizung nach Belegung und Lüftung zu den richtigen Zeiten im Vordergrund – ohne Komfortverlust in den Bewohnerzimmern.

Reha-Kliniken haben einen klaren Wochenrhythmus mit Therapiezeiten, Gruppenräumen und An- und Abreisetagen. Wer die Energieeffizienz der Reha-Klinik verbessern will, findet in diesem Rhythmus oft den ersten Ansatz. In Arztpraxen und MVZ wiederum gibt es Abend- und Wochenendzeiten, in denen Räume leer stehen, aber oft voll versorgt werden; auch dort lassen sich Energiekosten senken, wenn Betriebszeiten und Nutzung zusammenpassen.

Wie Fact & Feeling dabei unterstützt

Fact & Feeling misst Raumbedingungen – nicht Menschen, nicht Patientinnen und Patienten und keine Medizingeräte. Sensoren erfassen in ausgewählten Räumen CO₂, Feinstaub, flüchtige organische Verbindungen (VOC), Temperatur, Feuchte, Licht und Schall und senden die Werte per WLAN an eine Plattform. Dort sehen Sie jeden Raum im Grundriss, mit Live-Werten, Verläufen, Auffälligkeiten und Hinweisen.

Für das Ziel, Energiekosten im Krankenhaus zu senken, sind vor allem diese Leistungen relevant:

  • Energieanalyse im Krankenhaus mit einem Audit: Für einen begrenzten Zeitraum wird in ausgewählten Bereichen gemessen, mit Ihren vorhandenen Daten und Grundrissen verknüpft und ausgewertet. Sie erhalten einen Bericht mit Auffälligkeiten nach Raum, Zeit und Anlage und eine nach Wirkung und Aufwand geordnete Liste möglicher Maßnahmen.
  • Energiemonitoring im Krankenhaus rund um die Uhr: Die Geräte bleiben, die Plattform zeigt dauerhaft, wann Räume aus ihrem Zielbereich laufen, mit regelmäßigen Berichten je Bereich.
  • Gebäudeleittechnik und Zähler einbinden: Vorhandene GLT-Daten, Energiezähler und Sensoren werden auf einer Plattform zusammengeführt und den Räumen zugeordnet. Neue Sensoren ergänzen wir nur dort, wo Messpunkte fehlen.
  • Gebäudebetrieb im Krankenhaus optimieren mit Automation: Wo Lüftung, Heizung, Licht oder Sonnenschutz angebunden sind, kann die Plattform sie innerhalb der Grenzen steuern, die Ihre Einrichtung festlegt. Sensible Bereiche bleiben bei Empfehlungen; Ihr Team entscheidet.

Was Fact & Feeling dabei nicht tut: Es verspricht keine bestimmten Einsparungen, ersetzt weder Energieberatung noch Energieaudit noch die Fachplanung und trifft keine Entscheidungen über hygienische Anforderungen. Ob und wie viel sich einsparen lässt, hängt von Ihrem Haus ab und zeigt sich erst in Ihren eigenen Daten. Mehr zu Pflegeeinrichtungen finden Sie unter Energiekosten im Pflegeheim senken und zu Reha-Kliniken unter Energieeffizienz in der Reha-Klinik.

Grenzen und Risiken

Energiesparen im Krankenhaus berührt Bereiche, für die andere Fachleute verantwortlich sind. Einige Grenzen sollten Sie von Anfang an klar ziehen:

  • Hygiene: Räume mit besonderen hygienischen Anforderungen – OP, Intensivstation, Isolierzimmer, Sterilgutaufbereitung – folgen DIN 1946-4, den Empfehlungen der KRINKO und den Vorgaben Ihres Hygieneteams [8]. Eine Absenkung von Luftmengen oder Betriebszeiten kommt dort nur in Abstimmung mit der Krankenhaushygiene und im Rahmen der Norm in Frage. Raumdaten liefern dafür Informationen, aber keine hygienische Bewertung.
  • Medizintechnik und Sicherheit: Anlagen, die medizinische Geräte, Rechenzentren oder sicherheitsrelevante Funktionen versorgen, gehören in die Verantwortung der Medizintechnik, der IT und der Betreiber. Raumdaten sind kein Alarmsystem und ersetzen keine sicherheitsgerichteten Überwachungen.
  • Komfort und Gesundheit: Raumtemperaturen in Patientenzimmern sollten nicht abgesenkt werden, nur weil es rechnerisch Energie spart. Bei Beschwerden von Patientinnen, Patienten oder Mitarbeitenden sind die Stationsleitung und gegebenenfalls ärztliches Personal die richtigen Ansprechpersonen.
  • Energieberatung und Planung: Investitionen in Anlagentechnik, Gebäudehülle oder Energieversorgung brauchen Energieberatung und Fachplanung. Raumdaten können diese Arbeit stützen, ersetzen sie aber nicht.
  • Recht: Pflichten aus dem Energieeffizienzgesetz oder dem Gebäudemodernisierungsgesetz klären Sie mit Ihrer Rechtsabteilung oder einer Anwältin bzw. einem Anwalt. Dieser Beitrag ist allgemeine Information, kein Rechtsrat (Stand: Oktober 2026).
  • Daten: Messwerte sind nur so gut wie die Platzierung der Sensoren und die Zuordnung zu Räumen. Eine sorgfältige Planung der Messpunkte gehört deshalb zu jeder Analyse.

Häufige Fragen

Wie kann ein Krankenhaus Energie sparen, ohne dass Patientinnen und Patienten es merken?

Indem es dort ansetzt, wo Energie ohne Nutzen eingesetzt wird: Betriebszeiten von Lüftung und Heizung in Neben-, Verwaltungs- und Funktionsflächen, Sollwerte in Fluren und Lagern, Beleuchtung in leeren Räumen. Patientenzimmer bleiben im vereinbarten Bereich. Raumdaten zeigen vorher, wo der Spielraum liegt, und nachher, ob die Bedingungen stabil geblieben sind.

Wie hoch ist der Energieverbrauch eines Krankenhauses?

Als bundesweiten Durchschnitt nennt die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt etwa 6.000 kWh Strom und 29.000 kWh Wärme je Bett und Jahr [2]. Die Werte schwanken stark nach Größe, Versorgungsstufe, Baujahr und Technik eines Hauses.

Welche Energiesparmaßnahmen im Krankenhaus bringen am meisten?

Das hängt vom Haus ab. Leitfäden und Projekte nennen immer wieder angepasste Betriebszeiten von Lüftungsanlagen, abgesenkte Grundtemperaturen in Nebenflächen, effizientere Pumpen und Ventilatoren, Lichtsteuerung und ein systematisches Energiemanagement [4][5]. Welche Maßnahme bei Ihnen den größten Hebel hat, zeigt eine Analyse Ihrer eigenen Daten.

Was ist der Unterschied zwischen Energiemonitoring und Energiecontrolling im Krankenhaus?

Energiecontrolling betrachtet in der Regel Verbräuche und Kosten über Zähler und Rechnungen. Energiemonitoring geht weiter und verfolgt laufend, wie Anlagen arbeiten und welche Bedingungen in Räumen herrschen. Erst die Verbindung beider zeigt, wofür die Energie eingesetzt wurde.

Darf man die Lüftung im Krankenhaus nachts absenken?

In Bereichen ohne besondere hygienische Anforderungen ist ein bedarfsgerechter Betrieb oft möglich, wie das KLIK-Beispiel einer Umkleide-Lüftung zeigt [4]. In hygienisch relevanten Bereichen entscheiden DIN 1946-4, die Vorgaben der Einrichtung und das Hygieneteam [8]. Ohne diese Abstimmung sollte keine Absenkung erfolgen.

Wie lassen sich die Betriebskosten im Krankenhaus senken, ohne zu investieren?

Viele Maßnahmen in Leitfäden kommen ohne große Investitionen aus: Betriebszeiten anpassen, Sollwerte überprüfen, Heizungsrundgänge, Absprachen mit IT und Nutzern [4]. Voraussetzung ist, dass bekannt ist, wann Räume genutzt werden und welche Bedingungen dort herrschen.

Brauchen wir für Energieeffizienz im Krankenhaus neue Sensoren?

Nicht unbedingt überall. Viele Häuser haben bereits Zähler und eine Gebäudeleittechnik. Sensoren im Raum sind dort sinnvoll, wo diese Daten nicht zeigen, ob ein Raum genutzt wurde oder welche Bedingungen dort herrschten.

Gilt das Energieeffizienzgesetz für Krankenhäuser?

Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet Unternehmen mit einem jährlichen durchschnittlichen Gesamtendenergieverbrauch von mehr als 7,5 GWh (Durchschnitt der letzten drei abgeschlossenen Kalenderjahre), ein Energie- oder Umweltmanagementsystem einzurichten [10]. Ob und wie das für Ihren Träger gilt, klären Sie bitte rechtlich im Einzelfall; dieser Beitrag ist kein Rechtsrat (Stand: Oktober 2026).

Quellen

  1. Beier, C. / Fraunhofer UMSICHT (2009): Analyse des Energieverbrauchs und exemplarische Best-practice-Lösungen für relevante Verbrauchssektoren in Krankenhäusern. Abschlussbericht, gefördert von der DBU (AZ 23472). https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/kompetenz/energie/energieverbrauch-krankenhaus-abschlussbericht.pdf
  2. Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt (LENA) (o. J.): Energieeffizienz für Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt. https://lena.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Sonstige_Webprojekte/Lena/Dokumente/FB_Wirtschaft/Leitfaden_Krankenhaus/LENA_Energieeffizienz-f-Krankenhaeuser-in-S-T_web.pdf
  3. Deutsches Krankenhausinstitut (DKI) (2022): Klimaschutz in deutschen Krankenhäusern: Status quo, Maßnahmen und Investitionskosten. https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/1_DKG/1.7_Presse/1.7.1_Pressemitteilungen/2022/2022-07-19_DKI-Gutachten_Klimaschutz_in_deutschen_Krankenha__usern.pdf
  4. BUND Berlin e. V. / KLIK-Projekt (2016): Klimaschutz in Kliniken verankern – Impulse geben und Potenziale nutzen. Leitfaden. https://www.klimaschutz.de/sites/default/files/klik_leitfaden.pdf
  5. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (2014): Energieeffizienz in Gesundheitseinrichtungen – Erfolgsbeispiele aus Baden-Württemberg. Broschüre, 1. Auflage. https://www.energieatlas-bw.de/documents/d/guest/energieeffizienz_in_gesundheitseinrichtungen
  6. Bawaneh, K. / Ghazi Nezami, F. / Rasheduzzaman, M. / Deken, B. (2019): Energy Consumption Analysis and Characterization of Healthcare Facilities in the United States. Energies 12(19), 3775. https://www.mdpi.com/1996-1073/12/19/3775
  7. U.S. Energy Information Administration (o. J.): Commercial Buildings Energy Consumption Survey 2018 – Health care buildings. https://www.eia.gov/consumption/commercial/pba/health-care.php
  8. DIN 1946-4:2018-09: Raumlufttechnik – Teil 4: Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens. DIN Media. https://www.dinmedia.de/de/norm/din-1946-4/294438653
  9. DIN EN 16798-1:2022-03: Energetische Bewertung von Gebäuden – Lüftung von Gebäuden – Teil 1: Eingangsparameter für das Innenraumklima zur Auslegung und Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden bezüglich Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik. DIN Media. https://www.dinmedia.de/de/norm/din-en-16798-1/349622591
  10. Energieeffizienzgesetz (EnEfG), § 8: Einrichtung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen. https://www.gesetze-im-internet.de/enefg/__8.html
  11. Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 56: Gebäudeautomatisierung und Gebäudesteuerung. https://www.gesetze-im-internet.de/geg/__56.html
  12. Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), § 3: Begriffsbestimmungen (Abs. 1 Nr. 33: Wohngebäude). https://www.gesetze-im-internet.de/geg/__3.html