Hitzeschutzplan im Pflegeheim: welche Raumdaten die Planung braucht

Raumklima und Hygiene · · Lesezeit etwa 14 Minuten

Hitzeschutzplan im Pflegeheim: was die öffentlichen Empfehlungen zur Raumtemperatur sagen und welche Raumdaten Ihre Planung vor dem Sommer braucht.

Ein Hitzeschutzplan im Pflegeheim gehört heute in vielen Einrichtungen zur Qualitätsarbeit und ist Gegenstand öffentlicher Empfehlungen. Bundesweite Empfehlungen und Arbeitshilfen der Länder beschreiben, wer verantwortlich ist, wie Hitzewarnungen ankommen und welche Maßnahmen das Team ergreift. An einer Stelle bleiben viele Pläne aber vage: Welche Räume werden im Sommer tatsächlich zu warm, wann und wie stark? Ohne diese Information wird die Raumtemperatur im Pflegeheim im Sommer erst dann zum Thema, wenn es heiß ist – und dann fehlt die Zeit, um Sonnenschutz zu reparieren, kühle Räume festzulegen oder Abläufe anzupassen. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die öffentlichen Empfehlungen zur Raumtemperatur sagen, warum Hitze ein Thema einzelner Räume ist und welche Raumdaten Ihre Planung vor dem Sommer braucht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die bundeseinheitliche Empfehlung des Qualitätsausschusses Pflege sieht für stationäre Einrichtungen unter anderem eine verantwortliche Person, die Anmeldung zum Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes, kühle Zonen und eine regelmäßige Überprüfung der Raumtemperatur vor [1].
  • Die Arbeitshilfe des Landeszentrums Gesundheit NRW empfiehlt Thermometer in allen häufig genutzten und bewohnten Räumen, Ablesungen morgens, mittags und abends während Hitzeperioden und, wo möglich, Raumtemperaturen nicht über 26 °C [4].
  • Hitze ist ein Raumthema: Lage, Stockwerk, Verglasung, Sonnenschutz und Wärmequellen im Haus entscheiden, welche Zimmer überhitzen. Studien aus Großbritannien fanden deutliche Unterschiede zwischen Räumen desselben Hauses [10][11].
  • Kontinuierliche Raumdaten helfen, den eigenen Plan vor dem Sommer auf Fakten zu stützen: welche Zimmer zuerst warm werden, ob kühle Räume kühl bleiben und ob die Nachtlüftung wirkt.
  • Raumdaten ersetzen weder den Hitzeschutzplan noch die Beobachtung der Bewohnerinnen und Bewohner durch das Team. Bei gesundheitlichen Beschwerden entscheiden Ärztinnen und Ärzte.

Hitzeschutzplan im Pflegeheim: was die Empfehlungen verlangen

Seit 2024 gibt es bundesweit abgestimmte Empfehlungen zum Hitzeschutz in der Pflege. Auf der zweiten Hitzeschutzkonferenz im Mai 2024 stellte das Bundesgesundheitsministerium einen Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser und eine bundeseinheitliche Empfehlung zum Einsatz von Hitzeschutzplänen in Pflegeeinrichtungen und -diensten vor [2]. Die Empfehlung für die Pflege hat der Qualitätsausschuss Pflege auf Grundlage von § 113b Abs. 4 Satz 3 SGB XI beschlossen; sie ist vom 28. März 2024 und wurde am 11. Dezember 2024 geändert [1].

Für stationäre Einrichtungen nennt die Empfehlung unter anderem [1]:

  • Verantwortung: Sie sollte bei der Einrichtungsleitung liegen; alternativ kann eine Hitzeschutzbeauftragte oder ein Hitzeschutzbeauftragter benannt werden.
  • Warnungen: die Anmeldung zum Newsletter des Hitzewarnsystems des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
  • Gebäude: die Erfassung des hitzerelevanten Ist-Bauzustands und eine Funktionsprüfung von Jalousien oder ähnlichem Sonnenschutz, spätestens im Vorfeld eines erwarteten Hitzeereignisses.
  • Kühle Zonen: die Planung kühler Zonen bzw. Erholungsbereiche und bei Hitze die Einrichtung kühler Aufenthaltsräume.
  • Raumklima: die regelmäßige Überprüfung der Raumtemperatur und gegebenenfalls der Luftfeuchtigkeit.

Konkrete Grenzwerte für die Raumtemperatur nennt die Empfehlung nicht; die Maßnahmen orientieren sich an den Warnstufen des DWD für starke und extreme Wärmebelastung [1]. Auch die Roadmap des Ministeriums zur Weiterentwicklung des Hitzeschutzplans für Gesundheit legt keine Innenraumtemperaturen fest; sie setzt auf die Verbreitung und Umsetzung der Empfehlung in den Einrichtungen [3].

Deutlicher werden die Arbeitshilfen der Länder. Das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen empfiehlt in seiner Arbeitshilfe für stationäre Pflege- und Wohneinrichtungen, Thermometer in allen häufig genutzten und bewohnten Räumen aufzustellen und die Werte während Hitzeperioden morgens, mittags und abends abzulesen und zu dokumentieren [4]. Raumtemperaturen sollten dort möglichst nicht über 26 °C liegen; konkrete Gegenmaßnahmen sollen beginnen, sobald einrichtungsintern festgelegte Schwellenwerte erreicht sind [4]. Für die richtige Messmethode verweist die Arbeitshilfe auf die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 [4]. Das rheinland-pfälzische Sozialministerium empfiehlt, die Raumtemperatur zu überprüfen und zu klären, ob ein Aufenthalt in überhitzten Räumen noch möglich ist; gefährdete Bewohnerinnen und Bewohner sollen in kühlere Räume wie Flure, Speisesäle oder nordseitige Zimmer wechseln können [5].

QuelleWas sie zur Raumtemperatur sagtWelche Raumdaten das voraussetzt
Bundeseinheitliche Empfehlung QAP [1]Regelmäßige Überprüfung der Raumtemperatur, ggf. Luftfeuchte; kühle Zonen planen; Sonnenschutz vor Hitzeereignissen prüfenWissen, welche Räume warm werden und welche als kühle Zonen taugen
LZG NRW, Arbeitshilfe C.8 [4]Thermometer in allen häufig genutzten und bewohnten Räumen; morgens, mittags, abends ablesen und dokumentieren; möglichst nicht über 26 °C; interne Schwellen festlegenMesswerte je Raum zu festen Zeiten, dokumentiert
MASTD Rheinland-Pfalz [5]Raumtemperatur überprüfen; prüfen, ob überhitzte Räume noch nutzbar sind; kühlere Räume nutzenVergleich der Räume untereinander
ASR A3.5 [7]Arbeitsstättenregel für Arbeitsräume; Maßnahmen bei Sommerhitze ab Außentemperaturen über +26 °CTemperaturen in Arbeitsräumen des Personals

Tabelle 1: Was öffentliche Empfehlungen zur Raumtemperatur sagen. Die Empfehlungen sind Orientierung; den verbindlichen Rahmen Ihrer Einrichtung legen Träger, Heimaufsicht und Ihr eigener Plan fest. Quellen: [1][4][5][7].

Warum Hitze ein Raumthema ist

Hitze im Pflegeheim wird oft als Wetterereignis besprochen: Der DWD warnt, das Team reagiert. Ob ein Bewohnerzimmer an einem heißen Nachmittag 25 oder 30 Grad hat, hängt aber vor allem vom Raum selbst ab.

Schema eines Pflegeheims: Zimmer im Dachgeschoss und auf der Süd- und Westseite werden schneller warm als Zimmer im Erdgeschoss auf der Nordseite Abbildung 1: Typische Einflüsse auf die Raumtemperatur im Sommer. Welche Zimmer in Ihrem Haus betroffen sind, zeigen nur Messwerte. Quellen: [10][11].

Lage und Stockwerk: In einer Studie in vier britischen Pflege- und betreuten Wohneinrichtungen lag die höchste Durchschnittstemperatur in einer südostseitigen Wohnung im obersten Geschoss; deren Wohnzimmer erreichte im Mittel 27,1 °C über den Messzeitraum von Mitte Juni bis Ende September 2015 [10]. In einem Londoner Pflegeheim, das im Auftrag der Greater London Authority untersucht wurde, waren das oberste Geschoss und der Technikraum am stärksten betroffen [11].

Wärmequellen im Haus: In allen vier Einrichtungen der britischen Studie blieb die zentrale Heizungs- und Warmwasseranlage das ganze Jahr über in Betrieb, auch im Sommer [10]. Im Londoner Beispiel blieb ein gasbetriebener Heizkreislauf im Sommer in Betrieb, weil der Sommer-Bypass wegen Undichtigkeiten nicht genutzt wurde; der Bericht nennt ihn die stärkste und zugleich unnötige Wärmequelle im Sommer [11].

Fenster, Verglasung und Sonnenschutz: Fensteröffnungsbegrenzer, die aus Sicherheitsgründen nötig sind, schränken die Lüftung ein; ungeschützte Verglasung lässt Sonne ungehindert in die Räume [11]. Außenliegender Sonnenschutz ist nach einem Papier zum baulichen Hitzeschutz im Krankenhaus in der Regel wirksamer als innenliegender [8].

Zuständigkeiten: Die britische Studie fand Unklarheit darüber, wer die Raumtemperaturen steuert – Haustechnik außer Haus, Leitung oder Pflegeteam – und dass das Management der Überhitzung weitgehend beim Pflegepersonal lag [10]. Gleiche Zimmer mit gleicher Lage unterschieden sich teils deutlich, was die Autorinnen und Autoren auch auf die Nutzung im Raum zurückführen [10].

Die Konsequenz für den Hitzeschutzplan: Ein Thermometer im Flur oder im Dienstzimmer sagt wenig darüber, wie warm es in einem Bewohnerzimmer unter dem Dach ist. Wer die richtigen Zimmer kennt, kann Sonnenschutz, kühle Zonen und Abläufe dort ansetzen, wo sie gebraucht werden.

Wie warm darf es im Pflegeheim sein?

Diese Frage stellen Angehörige, Teams und Leitungen jeden Sommer. Eine gesetzliche Höchsttemperatur für Bewohnerzimmer gibt es nicht. Orientierung bieten mehrere Quellen, die unterschiedliche Zwecke haben:

  • Die Arbeitshilfe des LZG NRW empfiehlt, Raumtemperaturen in Pflege- und Wohneinrichtungen möglichst nicht über 26 °C steigen zu lassen, und rät, eigene Schwellenwerte für Maßnahmen festzulegen [4].
  • Für Arbeitsräume des Personals gilt die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 „Raumtemperatur“. Sie enthält seit ihrer Änderung 2022 Maßnahmen bei Sommerhitze mit Außenlufttemperaturen über +26 °C [7].
  • Für Krankenhäuser verweist ein Papier zum baulichen Hitzeschutz darauf, dass für Patienten- und Behandlungsräume keine gesetzliche Obergrenze gilt, und nennt für Behandlungsräume mit leicht bekleideten Patienten einen Zielbereich von 22 bis 26 °C [8].

Warum die Temperatur so wichtig ist, beschreiben Gesundheitsbehörden. Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl hitzebedingter Sterbefälle in Deutschland für 2023 auf etwa 3.100 (95-%-Prädiktionsintervall 1.400 bis 4.900) und für 2024 auf etwa 2.800 (1.000 bis 5.000); betroffen sind nach dieser Auswertung vor allem Menschen über 75 Jahre sowie Menschen mit Demenz, Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen [6]. Das RKI weist selbst auf Grenzen der Methode hin, etwa dass nur wöchentliche Sterbefallzahlen ausgewertet wurden [6]. Diese Zahlen beschreiben die Gesamtbevölkerung, nicht die Situation in einzelnen Einrichtungen, und sie sagen nichts darüber, was eine bestimmte Maßnahme bewirkt. Bei gesundheitlichen Fragen zu einzelnen Bewohnerinnen und Bewohnern sind die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die richtigen Ansprechpersonen.

Typische Fehler im Hitzeschutz der Pflegeeinrichtung

Viele Pläne sind gut gemeint und scheitern an der Umsetzung im Raum. Diese Muster tauchen häufig auf:

Gemessen wird erst, wenn es heiß ist. Ohne Werte aus dem Vorjahr oder dem Frühsommer weiß niemand, welche Zimmer zuerst warm werden. Die Liste der kühlen Räume entsteht dann unter Zeitdruck.

Ein Thermometer für viele Räume. Ein Messpunkt im Flur oder Aufenthaltsraum steht nicht für die Zimmer unter dem Dach oder auf der Westseite. Die NRW-Arbeitshilfe empfiehlt deshalb Thermometer in allen häufig genutzten und bewohnten Räumen [4].

Händische Protokolle, die niemand auswertet. Ablesungen morgens, mittags und abends sind wertvoll, wenn sie zusammengeführt und verglichen werden. In der Praxis bleiben Zettel oft in den Wohnbereichen.

Sonnenschutz wird erst im Juli geprüft. Die bundeseinheitliche Empfehlung sieht eine Funktionsprüfung spätestens im Vorfeld eines erwarteten Hitzeereignisses vor [1]. Defekte Jalousien lassen sich bei der ersten Warnung kaum noch reparieren.

Die Heizung läuft im Sommer weiter. Was nach einem Detail klingt, war in britischen Untersuchungen eine wesentliche Wärmequelle [10][11]. Ohne Daten zur Raumtemperatur bei kühler Außenluft fällt das oft niemandem auf.

Kühle Räume, die nicht kühl sind. Ein als kühle Zone geplanter Raum, der nachmittags selbst warm wird, verfehlt seinen Zweck. Ob er seine Rolle erfüllt, zeigt nur eine Messung über mehrere warme Tage.

Welche Raumdaten die Planung braucht

Für einen Hitzeschutzplan, der auf Ihrem Gebäude beruht, sind wenige Messgrößen ausreichend – entscheidend ist, dass sie je Raum, kontinuierlich und über die ganze warme Jahreszeit vorliegen.

PhaseFrage für den PlanHilfreiche Raumdaten
Vor dem SommerWelche Zimmer werden an warmen Tagen zuerst und am stärksten warm?Temperaturverläufe je Raum aus dem Vorjahr oder aus warmen Frühjahrstagen, mit Lage und Stockwerk
Vor dem SommerWelche Räume taugen als kühle Zonen?Höchstwerte und Tagesverlauf in Kandidatenräumen
Vor dem SommerLäuft die Heizung noch, obwohl es draußen warm ist?Raumtemperatur im Vergleich zur Außentemperatur; Daten aus Heizung oder GLT, wo vorhanden
Bei HitzewarnungWo muss das Team zuerst handeln?Aktuelle Werte und Verläufe im Grundriss; Abgleich mit den internen Schwellen des Plans
Während der HitzeWirken Verschattung und Nachtlüftung?Temperaturverlauf über Nacht und am Vormittag; Feuchte
Nach dem SommerWas hat funktioniert, was muss sich baulich ändern?Auswertung aller Räume über die Saison; Vergleich der Jahre

Tabelle 2: Fragen eines Hitzeschutzplans und die Raumdaten, die sie beantworten. Quellen: [1][4].

Zeitleiste in vier Phasen: vor dem Sommer, bei Hitzewarnung, während der Hitze, nach dem Sommer, jeweils mit den Raumdaten, die die Planung stützen Abbildung 2: Raumdaten im Jahreslauf des Hitzeschutzplans. Die Entscheidungen trifft die Einrichtung. Quellen: [1][4].

Temperatur ist die wichtigste Größe. Sie sollte in den Bewohnerzimmern gemessen werden, die nach Lage und Stockwerk am stärksten gefährdet sind, und in den Räumen, die als kühle Zonen vorgesehen sind. Luftfeuchte nennt die bundeseinheitliche Empfehlung ausdrücklich als ergänzende Größe [1]. CO₂ zeigt, ob in Gemeinschaftsräumen bei geschlossenen Fenstern noch ausreichend gelüftet wird – ein häufiger Zielkonflikt, wenn tagsüber verschattet und geschlossen gehalten wird. Die Außentemperatur gehört dazu, um zu entscheiden, wann Lüften kühlt und wann es wärmt; die NRW-Arbeitshilfe empfiehlt, sonnenseitige Fenster geschlossen zu halten, solange die Außenluft wärmer ist als die Raumluft [4].

Rechenbeispiel: was ein händisches Protokoll bedeutet

Rechenbeispiel (illustrativ), Annahmen: Eine Einrichtung mit 80 Bewohnerzimmern und 6 Gemeinschaftsräumen liest nach der NRW-Empfehlung dreimal täglich ab [4]. Bei 20 Hitzetagen im Sommer entstehen 86 Räume × 3 Ablesungen × 20 Tage = 5.160 Einträge. Rechnet man pro Ablesung und Eintrag eine halbe Minute, sind das rund 43 Stunden Arbeitszeit, die in der Pflege fehlen – und die Werte zeigen nur drei Zeitpunkte am Tag, nicht die Nacht. Die tatsächliche Zahl der Hitzetage, Räume und Abläufe unterscheidet sich je Einrichtung; das Beispiel soll nur die Größenordnung zeigen.

Automatisch erfasste Raumdaten ersetzen die Beobachtung der Menschen nicht. Sie nehmen dem Team aber das Ablesen ab und liefern den Verlauf rund um die Uhr, auch den Nachtverlauf, der für die Wirkung der Nachtlüftung entscheidend ist.

Hitzeschutz in Krankenhaus, Hospiz und Reha

Die gleichen Fragen stellen sich in anderen Einrichtungen, mit eigenen Rahmenbedingungen.

Krankenhaus: Der Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser nennt unter anderem eine verantwortliche Person, die Aufklärung von Patientinnen und Patienten, die Lagerung wärmeempfindlicher Medikamente sowie Kühlzonen oder Lüftungskonzepte; das Ministerium bezeichnet ihn als unverbindliche Empfehlung [2]. Nach einer Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts aus dem Jahr 2024 geben 69 Prozent der Krankenhäuser an, dass nur wenige Stationen baulich an Hitze angepasst sind, und 4 Prozent, dass keine angepasst ist [9]. Für das Thema Hitze im Patientenzimmer im Krankenhaus kommt die Hygiene hinzu: Ventilatoren sollen nach dem Papier zum baulichen Hitzeschutz nur in Einzelfällen und nach Rücksprache mit der Krankenhaushygiene in Patientenzimmern aufgestellt werden; für dezentrale Umluftkühlgeräte verweist es auf eigene Hygiene-Empfehlungen der DGKH [8]. Mehr zu Hitze im Patientenzimmer im Krankenhaus finden Sie auf unserer Seite für Kliniken.

Hospiz und Palliativstation: Menschen verbringen dort oft die ganze Zeit im Zimmer. Für den Hitzeschutz im Hospiz zählt deshalb besonders, welches Zimmer im Sommer warm wird, bevor jemand dort einzieht.

Reha-Klinik: In Therapie- und Gruppenräumen trifft Hitze auf körperliche Aktivität. Für den Hitzeschutz in der Reha-Klinik ist wichtig, welche Räume zu den Therapiezeiten warm werden.

Wo Daten zeigen, dass Betrieb und Einstellungen nicht reichen, geht es um bauliche Maßnahmen: außenliegenden Sonnenschutz, Verglasung, Lüftungsmöglichkeiten. Der WHO-Bericht zu Hitze und Gesundheit in der Europäischen Region ordnet die Evidenz nach den Kernelementen von Hitzeaktionsplänen und empfiehlt, Zahl, Abdeckung und Reichweite solcher Pläne auszubauen [12].

Wie Fact & Feeling dabei unterstützt

Fact & Feeling liefert Raumdaten für den Hitzeschutzplan Ihrer Einrichtung. Sensoren messen in ausgewählten Räumen Temperatur, Luftfeuchte, CO₂ und weitere Raumbedingungen und senden die Werte per WLAN an eine Plattform. Dort sehen Sie jeden Raum im Grundriss, mit Live-Werten, Verläufen über Tage und Wochen und Hinweisen, welche Räume aus dem Zielbereich laufen, den Sie festlegen.

Was Fact & Feeling nicht ist: kein Warn- oder Alarmsystem, kein Ersatz für den Hitzeschutzplan, die DWD-Warnungen oder die Beobachtung der Bewohnerinnen und Bewohner durch das Team. Fact & Feeling misst keine Menschen und trifft keine Aussagen zu deren Gesundheit. Es macht eine Einrichtung nicht „konform“ und ersetzt keine Prüfung durch Träger oder Aufsicht. Welche Schwellen gelten und welche Maßnahmen folgen, entscheidet Ihre Einrichtung in ihrem eigenen Plan.

Grenzen und Risiken

  • Gesundheit: Raumdaten zeigen Raumbedingungen, nicht den Zustand von Menschen. Ob eine Bewohnerin oder ein Bewohner unter Hitze leidet, beurteilen Pflegefachkräfte und Ärztinnen und Ärzte. Bei Beschwerden fragen Sie bitte eine Ärztin oder einen Arzt.
  • Keine Alarmfunktion: Hinweise in der Plattform ersetzen keine Abläufe im Hitzeschutzplan und keine sicherheitsrelevanten Systeme. Technische Störungen, Netzwerkausfälle oder falsch platzierte Sensoren können dazu führen, dass Werte fehlen.
  • Hygiene: Ventilatoren, mobile Klimageräte und dezentrale Kühlgeräte haben hygienische Anforderungen. In Krankenhäusern und bei besonders gefährdeten Menschen klären Sie den Einsatz mit der Hygienefachkraft [8].
  • Arbeitsschutz: Für Arbeitsräume des Personals gilt die ASR A3.5; Fragen dazu gehören zur Fachkraft für Arbeitssicherheit und zur Betriebsärztin bzw. zum Betriebsarzt [7].
  • Bau und Technik: Sonnenschutz, Verglasung, Lüftung und Kühlung planen Architektinnen, Architekten und Fachplaner. Raumdaten helfen, Prioritäten zu setzen, ersetzen aber keine Planung.
  • Recht und Förderung: Ob und welche Förderprogramme für Hitzeschutzmaßnahmen in Frage kommen, ändert sich laufend; klären Sie das mit den zuständigen Stellen. Dieser Beitrag ist allgemeine Information, kein Rechtsrat (Stand: Oktober 2026).

Häufige Fragen

Was gehört in einen Hitzeschutzplan für ein Pflegeheim?

Die bundeseinheitliche Empfehlung nennt unter anderem eine verantwortliche Person oder Hitzeschutzbeauftragte, die Anmeldung zum DWD-Hitzewarnsystem, die Erfassung des hitzerelevanten Bauzustands, eine Prüfung des Sonnenschutzes, kühle Zonen und die regelmäßige Überprüfung der Raumtemperatur [1]. Ihr Plan sollte festlegen, welche Räume betroffen sind und ab welchen internen Schwellen welche Maßnahmen beginnen.

Wie warm darf es im Pflegeheim sein?

Eine gesetzliche Höchsttemperatur für Bewohnerzimmer gibt es nicht. Die Arbeitshilfe des LZG NRW empfiehlt, Raumtemperaturen möglichst nicht über 26 °C steigen zu lassen und eigene Schwellenwerte festzulegen [4]. Für Arbeitsräume des Personals gilt die ASR A3.5 [7].

Wie oft muss die Raumtemperatur im Pflegeheim bei Hitze gemessen werden?

Die bundeseinheitliche Empfehlung spricht von einer regelmäßigen Überprüfung [1]. Die NRW-Arbeitshilfe empfiehlt, während Hitzeperioden morgens, mittags und abends abzulesen und die Werte zu dokumentieren [4]. Kontinuierliche Messungen liefern zusätzlich den Verlauf in der Nacht.

Welche Räume sollten im Pflegeheim gemessen werden?

Die NRW-Arbeitshilfe empfiehlt Thermometer in allen häufig genutzten und bewohnten Räumen [4]. Wenn nicht alle Räume gleichzeitig ausgestattet werden, sind Zimmer im obersten Geschoss, auf der Süd- und Westseite sowie die geplanten kühlen Zonen ein sinnvoller Anfang.

Was ist ein Hitzeaktionsplan für eine Pflegeeinrichtung?

Der Begriff wird oft gleichbedeutend mit Hitzeschutzplan verwendet. Gemeint ist ein Plan, der Verantwortlichkeiten, Warnwege und Maßnahmen vor, während und nach Hitzeperioden festlegt. Die WHO ordnet ihre Empfehlungen zu Hitze und Gesundheit nach den Kernelementen solcher Pläne [12].

Was hilft bei der Kühlung der Bewohnerzimmer im Pflegeheim?

Die Arbeitshilfen nennen Verschattung, möglichst außenliegend, Lüften früh morgens und spät abends, solange die Außenluft kühler ist, und den Wechsel in kühlere Räume [4][5]. Ob und welche technische Kühlung sinnvoll ist, klären Sie mit Fachplanern; Raumdaten zeigen, welche Zimmer sie am dringendsten brauchen.

Ersetzen Sensoren die Thermometer im Hitzeschutzplan?

Sensoren können die händische Ablesung ergänzen oder ersetzen, wenn Ihr Plan das so festlegt. Sie ersetzen nicht die Beobachtung der Bewohnerinnen und Bewohner, die Abläufe des Plans und die DWD-Warnungen.

Gibt es einen Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser?

Ja. Das Bundesgesundheitsministerium hat 2024 einen Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser vorgestellt, entwickelt vom Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Deutschen Pflegerat; er ist als unverbindliche Empfehlung gedacht [2].

Quellen

  1. Qualitätsausschuss Pflege (2024): Bundeseinheitliche Empfehlung zum Einsatz von Hitzeschutzplänen in Pflegeeinrichtungen und -diensten (28.03.2024, geändert am 11.12.2024). https://gs-qsa-pflege.de/wp-content/uploads/2025/12/20251202_Bundeseinheitliche-Empfehlung-Hitzeschutzplaene-gem.-§113b-Abs.-4-Satz-3-SGB-XI_akt.pdf
  2. Bundesministerium für Gesundheit (2024): Lauterbach legt Hitzeschutzpläne vor. Pressemitteilung vom 24.05.2024. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/lauterbach-legt-hitzeschutzplaene-vor-pm-24-05-24
  3. Bundesministerium für Gesundheit (2025): Roadmap zur Weiterentwicklung des „Hitzeschutzplans für Gesundheit“ des BMG. Stand: März 2025. https://bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/H/Hitzeschutzplan/BMG_Roadmap_Hitzeschutzplanung_Sommer_2025.pdf
  4. Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (2024): Einrichtungsbezogener Hitzeschutz in NRW – Arbeitshilfen für stationäre Pflege- und Wohneinrichtungen, Arbeitshilfe C.8: Tipps zur Nutzung von Innenbereichen. https://www.lzg.nrw.de/_media/pdf/hitze/Hitzeschutz_NRW-Arbeitshilfen_Pflege—und-Wohneinrichtungen_C_8.pdf
  5. Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz (2025): Empfehlungen für Interventionsmaßnahmen bei anhaltenden Hitzeperioden. https://mastd.rlp.de/fileadmin/06/Pflege/Pflege_Dokumente/Empfehlungen_fuer_Interventionsmassnahmen_bei_anhaltenden_Hitzeperioden_2025_b.pdf
  6. an der Heiden, M. / Robert Koch-Institut (2025): Hitzebedingte Mortalität in Deutschland 2023 und 2024. Epidemiologisches Bulletin 19/2025, S. 3–9. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/12682/EB-19-2025_10-25646-13135.pdf
  7. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (o. J.): ASR A3.5 Raumtemperatur. https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/ASR/ASR-A3-5
  8. Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) (2024, ohne Datum im Dokument): Bauhygienische Maßnahmen zum Hitzeschutz im Krankenhaus – Hitze- und Sonnenschutz vs. Tageslichtversorgung. https://www.krankenhaushygiene.de/pdfdata/2024_07_08_Bauhygienische_Massnahmen_zum_Hitzeschutz_im_Krankenhaus.pdf
  9. Deutsches Krankenhausinstitut (DKI) (2025): Factsheet Hitzeschutz. Stand Mai 2025 (mit Verweis auf Blum, K. / Löffert, S. (2024): Hitzeschutz im Krankenhaus: Blitzumfrage). https://www.dki.de/fileadmin/user_upload/DKI_Factsheet_Hitzeschutz_Mai_25_final.pdf
  10. Gupta, R. / Barnfield, L. / Gregg, M. (2017): Overheating in care settings: magnitude, causes, preparedness and remedies. Building Research & Information 45(1–2), 83–101. https://radar.brookes.ac.uk/radar/items/8ef02862-c14e-456a-ba13-2b8c4ed2f342/1
  11. Oikonomou, E. / Raslan, R. / Gupta, R. / Howard, A. / Mavrogianni, A. (2020): Care Home Overheating Audit Pilot Project: Recommendations Report. Greater London Authority. https://www.london.gov.uk/sites/default/files/recommendationsreport_carehomeoverheatingauditpilot_200713.pdf
  12. WHO Regional Office for Europe (2021): Heat and health in the WHO European Region: updated evidence for effective prevention. https://www.who.int/europe/publications/i/item/9789289055406