Lüftung und Hygiene im Krankenhaus: welche Raumdaten das Hygieneteam unterstützen

Raumklima und Hygiene · · Lesezeit etwa 15 Minuten

Lüftung und Hygiene im Krankenhaus: welche Raumdaten Hygienefachkräfte bei Begehung, Dokumentation und Schimmelvorsorge unterstützen – und wo nicht.

Allgemeine Information, kein Rechtsrat und keine Hygieneberatung (Stand: Oktober 2026).

Lüftung und Hygiene im Krankenhaus gehören zusammen, aber sie werden von verschiedenen Menschen verantwortet. Die Hygienefachkraft und die Krankenhaushygienikerin legen fest, was hygienisch notwendig ist. Die Haustechnik betreibt die Anlagen. Und zwischen beiden fehlt oft etwas sehr Einfaches: ein durchgehender Blick darauf, wie die Räume tatsächlich betrieben werden – nachts, am Wochenende, im Hochsommer, in der Zeit zwischen zwei Begehungen. Dieser Artikel zeigt, welche Raumdaten das Hygieneteam in Krankenhäusern und Kliniken bei seiner eigenen Arbeit unterstützen können, wo sie nichts aussagen und warum die Bewertung immer beim Hygieneteam bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen müssen ihre innerbetrieblichen Verfahren zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festlegen [1][2]. Für raumlufttechnische Anlagen im Gesundheitswesen ist in Deutschland DIN 1946-4 die maßgebliche Norm [3]; die Empfehlungen der KRINKO setzen den fachlichen Rahmen [5].
  • Kontinuierlich gemessene Raumdaten – CO₂, Temperatur, relative Luftfeuchte, Feinstaub – zeigen, wie ein Raum über Tage und Wochen betrieben wird. Über Keime, Infektionen oder die Wirksamkeit einer Hygienemaßnahme sagen sie nichts.
  • Sinnvolle Einsatzfelder sind zum Beispiel die Dokumentation des Lüftungsbetriebs in Räumen ohne Sonder-RLT, Temperatur und Feuchte in Lagerräumen, Feuchte als Hinweis für die Schimmelvorsorge sowie das Lüften in Pflegeheimen und Wartezimmern.
  • Raumdaten sind ein Werkzeug für das Hygieneteam, kein Ersatz für Hygieneplan, Hygieneinspektion oder mikrobiologische Untersuchungen. Hygienekritische Räume wie OP, Intensivstation und Isolierzimmer folgen DIN 1946-4 und den Vorgaben des Hygieneteams.

Lüftung und Hygiene im Krankenhaus: wer wofür zuständig ist

Bevor es um Messwerte geht, lohnt sich ein Blick auf die Zuständigkeiten. Denn Raumdaten helfen nur, wenn klar ist, wer sie bewertet und wer handelt.

Hygienepläne sind Pflicht. Nach § 23 Absatz 5 des Infektionsschutzgesetzes müssen die Leitungen unter anderem von Krankenhäusern, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, Dialyseeinrichtungen und Tageskliniken sicherstellen, dass innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festgelegt sind [1]. Für voll- und teilstationäre Einrichtungen der Pflege gilt dasselbe nach § 35 IfSG: Auch sie müssen ihre Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festlegen [2]. Was in diesen Plänen zur Lüftung steht, entscheidet die Einrichtung mit ihrem Hygienefachpersonal – nicht ein Sensor und nicht ein Softwareanbieter.

Für die Anlagen gibt es eigene Regeln. DIN 1946-4:2018-09 „Raumlufttechnik – Teil 4: Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens“ beschreibt technische und hygienische Anforderungen an RLT-Anlagen in Untersuchungs- und Behandlungsbereichen einschließlich Qualifizierung und Abnahme; sie gilt für Krankenhäuser, Tageskliniken, Arztpraxen und Dialysezentren [3]. Für den Betrieb raumlufttechnischer Anlagen allgemein beschreibt VDI 6022 Blatt 1 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte“ Anforderungen an Planung, Ausführung und Betrieb [4].

Die KRINKO setzt den fachlichen Rahmen. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut empfiehlt zum Beispiel für bestimmte Gruppen schwer immunsupprimierter Patientinnen und Patienten während der stationären Behandlung Räume mit HEPA-gefilterter Zuluft. Sie empfiehlt außerdem, alle Bau-, Umbau- und Abrissarbeiten im Umfeld schwer immunsupprimierter Patientinnen und Patienten bereits in der Planungsphase mit dem Hygienefachpersonal abzustimmen [5]. Daran sieht man: Die Entscheidung, was hygienisch angemessen ist, liegt in der Fachdisziplin Hygiene.

Haustechnik arbeitet in hygienerelevanten Bereichen nach Absprache. Eine Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene zählt Arbeiten an raumlufttechnischen Anlagen zu den kritischen Tätigkeiten und nennt Störungen der Raumlufttechnik – etwa eine Umkehr der Strömungsrichtung – als Risiko. Vor der Wiederinbetriebnahme sollen gegebenenfalls erforderliche Strömungsrichtungen überprüft werden; die Risikoanalyse erstellen die Hygieneverantwortlichen gemeinsam mit den technisch Verantwortlichen [7].

Diese Arbeitsteilung ist der Rahmen für alles, was folgt. Raumdaten können ein gemeinsames Bild liefern, auf das beide Seiten schauen. Bewerten muss das Hygieneteam.

Schema: Raumdaten werden vom Hygieneteam bewertet, die Technik setzt Maßnahmen um, der Hygieneplan bleibt die Grundlage Abbildung 1: Raumdaten liefern Beobachtungen, das Hygieneteam bewertet, die Technik handelt – auf Grundlage von Hygieneplan und DIN 1946-4. Eigene Darstellung. Quelle: [1][3][5][7].

Raumlufthygiene im Krankenhaus: was zwischen zwei Begehungen passiert

In Bereichen mit Sonder-RLT – OP, Intensivstation, Isolierzimmer – werden die Anlagen nach DIN 1946-4 qualifiziert und abgenommen [3] und sind häufig an die Gebäudeleittechnik angebunden. In Großbritannien zum Beispiel sieht die technische Richtlinie HTM 03-01 vor, dass der Betrieb von Lüftungsanlagen über ein Gebäudeleitsystem überwacht wird [12]. Kritische Lüftungsanlagen sollen dort vierteljährlich inspiziert und mindestens jährlich verifiziert werden; jede Anlage soll ein Logbuch haben [13].

Der größere Teil eines Krankenhauses sieht anders aus. Viele Patientenzimmer, Aufenthaltsräume, Lager, Wartebereiche und fast alle Zimmer in Pflegeheimen werden über Fenster oder einfache Abluftanlagen gelüftet. Hier gibt es oft keine laufende Messung. Was die Hygienefachkraft bei einer Begehung sieht, ist eine Momentaufnahme: ein Raum an einem Vormittag, bei einem bestimmten Wetter, mit einer bestimmten Belegung. Wie derselbe Raum um drei Uhr nachts oder an einem schwülen Augusttag aussieht, bleibt unbekannt.

Daraus entstehen typische Fragen, die im Hygienealltag immer wieder auftauchen:

  • Wird in einem Mehrbettzimmer tatsächlich so gelüftet, wie es im Hygieneplan steht – auch nachts und am Wochenende?
  • Steigt die Luftfeuchte in einem Bad, einem Lager oder einem Zimmer an der Nordseite regelmäßig so stark an, dass sich Feuchte an kalten Oberflächen niederschlagen kann?
  • Bleiben Lagerräume für Material oder Sterilgut im Sommer in einem Temperaturbereich, den die Einrichtung für angemessen hält?
  • Wie voll ist die Luft im Wartezimmer einer Praxis nach einer Stunde Sprechstunde?

Keine dieser Fragen ist eine Infektionsfrage. Es sind Fragen zum Raumbetrieb. Genau dort können Raumdaten helfen.

Was Raumdaten zeigen – und was nicht

Raumsensoren messen Eigenschaften der Raumluft. Sie messen nicht, ob in der Luft oder auf Flächen Krankheitserreger vorhanden sind. Diese Unterscheidung ist der Kern dieses Artikels.

CO₂ zeigt, wie gut ein Raum für die Zahl der Menschen darin gelüftet ist. Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte des Umweltbundesamts bewertet CO₂-Konzentrationen unter 1.000 ppm als hygienisch unbedenklich, 1.000 bis 2.000 ppm als hygienisch auffällig und über 2.000 ppm als hygienisch inakzeptabel; im mittleren Bereich empfiehlt er, die Lüftung zu verstärken und das Lüftungsverhalten zu überprüfen [8]. „Hygienisch“ meint hier die Raumluftqualität im Sinne der Innenraumhygiene, nicht den Infektionsschutz. Die US-Fachgesellschaft ASHRAE stellt ausdrücklich fest, dass CO₂-Konzentrationen keinen Gesamteindruck der Raumluftqualität geben und nicht als direkter Indikator für ein Infektionsrisiko verwendet werden sollten – unter anderem, weil Filterung und andere Luftreinigung den CO₂-Wert nicht verändern [11]. Gleichzeitig kann CO₂ helfen zu prüfen, ob eine Lüftung so arbeitet wie vorgesehen; deutlich zu hohe Werte können auf eine Störung hinweisen [11].

Relative Luftfeuchte ist ein Hinweis für die Schimmelvorsorge. Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts nennt als Voraussetzung für Schimmelwachstum eine relative Feuchte von etwa 70 bis 80 % an der Oberfläche eines Materials über einen längeren Zeitraum; unzureichendes Lüften und Heizen gehören zu den Ursachen [9]. Das Umweltbundesamt betrachtet Schimmelwachstum im Innenraum als Gesundheitsrisiko [9]. Für Krankenhäuser und ähnliche Einrichtungen verweist derselbe Leitfaden auf besondere hygienische Anforderungen, die er selbst nicht behandelt [9]. Ein Sensor in der Raummitte misst die Feuchte der Raumluft, nicht die Oberflächenfeuchte an einer kalten Außenwandecke. Er kann aber zeigen, in welchen Räumen und zu welchen Zeiten die Luft dauerhaft feucht ist – und damit, wo eine Begehung besonders lohnt.

Temperatur ist die einfachste und oft die wichtigste Größe. Sie zeigt, ob Räume überhitzen, ob Lager im Sommer warm werden oder ob eine Anlage nachts anders läuft als geplant.

Feinstaub zeigt Partikel, keine Sporen. Ein optischer Feinstaubsensor zählt Partikel bestimmter Größenklassen. Er kann zum Beispiel sichtbar machen, ob in der Nähe einer Baustelle mehr Staub in einen Flur gelangt. Ob darunter Pilzsporen oder andere biologische Partikel sind, kann er nicht unterscheiden. Die KRINKO weist in ihrer Empfehlung zu immunsupprimierten Patientinnen und Patienten darauf hin, dass Bau- oder Abrissarbeiten in der Nähe deren Exposition gegenüber Infektionserregern erhöhen können, und empfiehlt, solche Arbeiten mit dem Hygienefachpersonal abzustimmen [5]. Ob und wie Messungen dabei helfen, entscheidet dieses Team.

Gegenüberstellung: Was Raumsensoren messen können und was nur Hygienefachpersonal und Labor beurteilen Abbildung 2: Raumdaten beschreiben die Raumluft, nicht das Infektionsgeschehen. Eigene Darstellung. Quellen: [8][9][11].

Typische Fehler beim Thema Raumdaten und Hygiene

Wo Raumdaten und Hygiene zusammenkommen, entstehen schnell Missverständnisse. Einige davon begegnen einem immer wieder.

Raumdaten als Hygienenachweis verstehen. Eine Kurve mit niedrigen CO₂-Werten belegt nicht, dass ein Raum hygienisch einwandfrei ist. Sie belegt, dass dort gut gelüftet wurde. Für die hygienische Bewertung braucht es Hygieneplan, Begehung und, wo erforderlich, mikrobiologische Untersuchungen.

Eine CO₂-Ampel als Infektionsschutz darstellen. Seit der Pandemie werden CO₂-Anzeigen oft so beschrieben, als würden sie vor Ansteckung schützen. Das ist fachlich nicht haltbar [11]. Eine Ampel kann an das Lüften erinnern – mehr nicht.

Sensoren ohne Absprache in Sonderbereiche bringen. In OP, Intensivstation oder Isolierzimmern gelten besondere Regeln für Material, Reinigung und Zutritt. Jede Installation dort gehört vorher mit dem Hygieneteam abgestimmt.

Energie sparen ohne Hygieneteam. Lüftungsanlagen laufen in Krankenhäusern oft rund um die Uhr, und der Wunsch, hier Energie zu sparen, ist verständlich. Wer aber Betriebszeiten verkürzt oder Volumenströme absenkt, kann hygienische Anforderungen berühren. Jede Absenkung in hygienekritischen Bereichen gehört vorab mit dem Hygieneteam abgestimmt und muss im Rahmen von DIN 1946-4 bleiben [3].

Messwerte ohne Raumkontext lesen. 1.200 ppm CO₂ in einem voll belegten Besprechungsraum sind etwas anderes als 1.200 ppm in einem nachts belegten Einzelzimmer. Ohne Raumart, Belegung und Uhrzeit sind Messwerte schwer zu deuten.

Daten ohne Zuständigkeit sammeln. Ein Dashboard, auf das niemand schaut, hilft nicht. Vor dem Messen sollte feststehen, wer welche Hinweise bekommt und wer entscheidet.

Welche Raumdaten das Hygieneteam unterstützen können

Die folgende Übersicht ordnet typische Raumarten danach, welche Daten dort sinnvoll sein können und wofür das Hygieneteam sie selbst nutzen kann. Sie ist eine Orientierung, keine Vorgabe – was in einer Einrichtung gemessen wird, entscheidet die Einrichtung.

RaumartMögliche RaumdatenWofür das Hygieneteam sie nutzen kannWas die Daten nicht ersetzen
Patientenzimmer mit FensterlüftungCO₂, Temperatur, FeuchteLüftungsbetrieb über Tag und Nacht nachvollziehen, Lüftungsplan prüfenHygieneplan, Begehung, Schulung
Lager für Material oder SterilgutTemperatur, FeuchteLagerbedingungen dokumentieren, z. B. „trocken“ und „bei Raumtemperatur“ [6]Herstellervorgaben, validierte Überwachungssysteme
Bäder, Nebenräume, NordzimmerFeuchte, TemperaturRäume mit dauerhaft hoher Feuchte für die Schimmelvorsorge finden [9]Bauliche Untersuchung, Sanierung
Wartezimmer in Praxis und AmbulanzCO₂, TemperaturLüftungskonzept im Alltag überprüfenHygieneplan der Praxis
Zimmer im PflegeheimCO₂, Feuchte, TemperaturLüften und Überwärmung im Blick behaltenPflegefachliche Beurteilung
OP, Intensiv, Isolierzimmer (Sonder-RLT)Nur nach Absprache; ggf. vorhandene GLT-DatenGemeinsame Gesprächsgrundlage mit der TechnikAbnahme, Hygieneinspektion, Raumdrucküberwachung nach DIN 1946-4 [3]
Flure neben BaustellenFeinstaub (Partikel)Ergänzende Beobachtung von Staub, wenn das Hygieneteam es wünschtHygienemaßnahmen nach KRINKO [5]

Tabelle: Raumdaten als Werkzeug für das Hygieneteam. Eigene Zusammenstellung auf Grundlage von [3][5][6][9].

Temperatur und Luftfeuchte in Lagerräumen dokumentieren

Die gemeinsame Empfehlung von KRINKO und BfArM zur Aufbereitung von Medizinprodukten sagt, dass steril zur Anwendung kommende Medizinprodukte staubgeschützt, sauber, trocken und frei von Ungeziefer bei Raumtemperatur zu lagern sind [6]. Eine konkrete Temperatur nennt sie an dieser Stelle nicht. Viele Einrichtungen legen dafür hausintern Bereiche fest.

Hier kann eine laufende Messung von Temperatur und Feuchte im Lagerraum dem Hygieneteam eine einfache Dokumentation liefern: Wie warm wurde der Raum im Juli? Gab es Tage mit auffällig hoher Feuchte? Wichtig ist die Abgrenzung: Die Raumsensoren überwachen den Raum, nicht die Medizinprodukte selbst. Für Kühlschränke mit Arzneimitteln oder für Bereiche, in denen ein validiertes Überwachungssystem vorgeschrieben ist, sind sie kein Ersatz.

Luftfeuchtigkeit im Krankenhaus und Schimmel vorbeugen

Schimmel im Krankenhaus oder im Pflegeheim entsteht selten über Nacht. Meist gibt es Räume, in denen die Feuchte über Wochen erhöht ist: Bäder ohne wirksame Abluft, Lager an Außenwänden, wenig beheizte Räume. Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts beschreibt unzureichendes Lüften und Heizen als Ursachen [9]. Eine Empfehlung des Landesamts für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern für Neubau und Sanierung von Krankenhäusern nennt als allgemeinen Zielbereich 20 bis 24 °C und 45 % ± 15 % relative Feuchte sowie höchstens 60 % relative Feuchte in Normal- und Intensivpatientenzimmern [10]. In Großbritannien empfiehlt HTM 03-01, die Raumluftfeuchte unter 70 % zu halten, um Kondensation und Schimmelwachstum vorzubeugen [12].

Diese Werte stammen aus unterschiedlichen Dokumenten mit unterschiedlichem Geltungsbereich. Welche Grenze eine Einrichtung für sich ansetzt, legt sie mit ihrem Hygieneteam fest. Raumdaten machen dann sichtbar, wo und wann diese Grenze überschritten wird – Raum für Raum, auf dem Grundriss.

Lüften im Pflegeheim und der Hygieneplan

Für Pflegeheime gibt es von den Ländern Musterhygienepläne. Ein Rahmen-Hygieneplan für Alten- und Altenpflegeheime, erarbeitet von einem Länder-Arbeitskreis (Fassung Sachsen 2009, noch nach dem früheren § 36 IfSG), fordert zum Beispiel, dass eine natürliche, zugfreie Lüftung möglich sein muss, dass innenliegende Räume an eine wirksame Lüftungsanlage angeschlossen sind und dass Schimmelbefall umgehend zu sanieren ist [14]. Wie oft gelüftet wird, lässt er offen [14]. Das ist im Alltag oft die eigentliche Frage.

Im Pflegeheim ist das Zimmer das Zuhause der Bewohnerin oder des Bewohners. Manche Bewohnerinnen und Bewohner möchten das Fenster lieber geschlossen halten, andere lüften gern selbst. CO₂- und Temperaturverläufe können zeigen, in welchen Zimmern nachts kaum Luftaustausch stattfindet und in welchen nach dem Lüften die Temperatur stark absinkt. Das Team kann daraus eigene Lüftungsroutinen ableiten, die zu den Menschen passen. Ein Lüftungskonzept für das Pflegeheim bleibt dabei Aufgabe der Einrichtung und ihrer Fachleute.

Lüftungskonzept in Arztpraxis und Wartezimmer

In Arztpraxen und MVZ ist das Wartezimmer oft der Raum mit der höchsten Belegung bei der geringsten Lüftung. Ein Lüftungskonzept für die Arztpraxis kann festlegen, wann und wie gelüftet wird. Ob es im Alltag funktioniert, zeigt der CO₂-Verlauf: Steigt der Wert während der Sprechstunde stetig an, reicht die Lüftung für die Belegung nicht aus – im Sinne der Raumluftqualität nach den Bewertungsstufen des Umweltbundesamts [8]. Für Infektionsfragen gilt auch hier: Darüber entscheidet die Praxis mit ihrem Hygieneplan, nicht die Ampel.

Hygienebegehung und Raumklima: Daten als Vorbereitung

Für eine Hygienebegehung können Raumklimadaten eine Vorbereitung sein. Statt alle Räume gleich zu behandeln, kann die Hygienefachkraft vorab sehen, welche Räume in den letzten Wochen auffällige Verläufe hatten: dauerhaft hohe Feuchte, sehr hohe CO₂-Werte in der Nacht, überhitzte Lager. Die Begehung selbst bleibt unverzichtbar. Sie bekommt nur einen gezielteren Ausgangspunkt.

Raumluftmessung im Krankenhaus: Stichprobe oder Dauermessung?

Eine Raumluftmessung im Krankenhaus kann zwei sehr verschiedene Dinge meinen. Erstens die hygienische Prüfung, zum Beispiel bei Abnahme und Wiederholungsprüfung von RLT-Anlagen nach DIN 1946-4 [3] oder, wo erforderlich, Partikel- oder mikrobiologische Untersuchungen vor der Wiederinbetriebnahme nach Arbeiten in hygienerelevanten Bereichen [7]. Diese Messungen führen dafür qualifizierte Fachleute mit geeigneten Verfahren durch. Zweitens eine laufende Beobachtung des Raumklimas mit einfachen Sensoren. Sie ersetzt keine hygienische Prüfung, liefert aber etwas, das Stichproben nicht leisten: den Verlauf über die Zeit. Beides kann sich ergänzen – solange niemand das eine für das andere hält.

Wie Fact & Feeling dabei unterstützt

Fact & Feeling misst Raumbedingungen mit Sensoren für CO₂, Feinstaub, flüchtige organische Verbindungen, Temperatur, Luftfeuchte, Licht und Schall. Die Geräte sind über WLAN verbunden; die Plattform zeigt die Räume auf dem Grundriss mit Live-Werten, Verläufen, Auffälligkeiten und Hinweisen. Wo eine Einrichtung bereits Daten aus der Gebäudeleittechnik hat, lassen sie sich über die Datenintegration einbinden.

Für die Arbeit des Hygieneteams heißt das konkret:

  • Raumklimadaten für die Hygienefachkraft: Im Rahmen von Audit und Analyse wird für einen begrenzten Zeitraum in ausgewählten Räumen gemessen. Welche Räume das sind und welche Zielwerte je Raumart gelten, wird mit Pflege, Hygiene und Technik abgestimmt.
  • Temperatur und Luftfeuchte dokumentieren: Beim Monitoring rund um die Uhr bleiben die Geräte; Verläufe über Tage, Wochen und Monate und regelmäßige Berichte je Station oder Bereich stehen zur Verfügung.
  • Räume im Kontext: Jeder Messwert ist einem Raum auf dem Grundriss zugeordnet. So sieht das Team nicht nur einen Wert, sondern auch, welcher Raum, welche Nutzung und welche Uhrzeit dahinterstehen. Mehr zu den Geräten steht unter Plattform und Geräte.
  • Keine Personendaten: Die Sensoren messen die Umgebung, nicht Menschen.

Was Fact & Feeling bewusst nicht tut: Wir beurteilen keine Hygiene, geben keine Aussage zur Einhaltung von Hygieneanforderungen ab, messen keine Krankheitserreger, überwachen keine Medizinprodukte und ersetzen weder Hygienefachpersonal noch Hygieneinspektionen oder sicherheitsrelevante Alarmsysteme. Hygienekritische Räume wie OP, Intensivstation oder Isolierzimmer bleiben außerhalb jeder automatischen Steuerung; dort gelten DIN 1946-4, die KRINKO-Empfehlungen und die Vorgaben Ihres Hygieneteams.

Wie das in anderen Einrichtungen aussieht, zeigen die Seiten zu Pflegeheimen, wo Luftfeuchtigkeit und Lüften im Alltag eine Rolle spielen, und zu Arztpraxen und MVZ mit ihrem Lüftungskonzept im Wartezimmer.

Grenzen und Risiken

Raumdaten können hilfreich sein. Sie können aber auch falsche Sicherheit erzeugen. Deshalb die Grenzen in aller Deutlichkeit:

  • Keine Aussage über Infektionen. Weder CO₂ noch Feinstaub, Temperatur oder Feuchte sagen etwas darüber, ob Krankheitserreger vorhanden sind oder ob eine Hygienemaßnahme wirkt [11]. Für hygienische Fragen ist das Hygienefachpersonal zuständig – Hygienefachkraft, hygienebeauftragte Ärztin oder hygienebeauftragter Arzt, Krankenhaushygienikerin oder Krankenhaushygieniker.
  • Kein Ersatz für Prüfungen. Abnahme, Requalifizierung und Hygieneinspektionen von RLT-Anlagen nach DIN 1946-4 und VDI 6022 bleiben Aufgabe qualifizierter Fachleute [3][4].
  • Keine Alarmfunktion für sicherheitsrelevante Werte. Raumdruck in Isolierzimmern, Strömungsrichtungen im OP oder die Kühlung von Arzneimitteln gehören in die dafür vorgesehenen Systeme der Einrichtung.
  • Sensoren messen an einem Punkt. Ein Sensor zeigt die Luft an seinem Ort. Kalte Ecken, Oberflächenfeuchte oder Luftströmungen am Patientenbett erfasst er nicht.
  • Absenkungen nur mit dem Hygieneteam. Jede Änderung von Betriebszeiten oder Volumenströmen in hygienekritischen Bereichen braucht die Zustimmung des Hygieneteams und muss innerhalb von DIN 1946-4 bleiben.
  • Gesundheitliche Beschwerden gehören zum Arzt. Wenn Patientinnen, Bewohner oder Mitarbeitende Beschwerden haben, die sie mit dem Raumklima in Verbindung bringen, ist der richtige Weg die ärztliche Abklärung und, bei Arbeitsplätzen, der Betriebsarzt.
  • Rechtliche Fragen klären Fachleute. Was der Hygieneplan Ihrer Einrichtung enthalten muss, klären Sie mit Ihrem Hygienefachpersonal, dem zuständigen Gesundheitsamt und gegebenenfalls juristischer Beratung.

Häufige Fragen

Welche Anforderungen gelten für Raumlufttechnik und Hygiene im Krankenhaus?

Für raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens gilt in Deutschland DIN 1946-4:2018-09 [3]; allgemeine Hygieneanforderungen an RLT-Anlagen beschreibt VDI 6022 Blatt 1 [4]. Fachliche Empfehlungen, etwa für immunsupprimierte Patientinnen und Patienten, gibt die KRINKO [5]. Wie diese Anforderungen in einer Einrichtung umgesetzt werden, legt das Hygienefachpersonal im Hygieneplan fest [1].

Kann eine CO₂-Messung zeigen, ob ein Raum hygienisch ist?

Nein. CO₂ zeigt, ob ein Raum für die Zahl der Menschen darin ausreichend gelüftet ist. Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte beim Umweltbundesamt bewertet Werte unter 1.000 ppm als hygienisch unbedenklich im Sinne der Raumluftqualität [8]. Über Krankheitserreger oder Infektionsrisiken sagt CO₂ nichts aus [11].

Welche Luftfeuchtigkeit ist im Krankenhaus richtig?

Eine einheitliche gesetzliche Vorgabe für alle Räume gibt es nicht. Ein Landesamt in Mecklenburg-Vorpommern empfiehlt für Neubau und Sanierung 45 % ± 15 % relative Feuchte und höchstens 60 % in Patientenzimmern [10]; die britische HTM 03-01 empfiehlt, unter 70 % zu bleiben [12]. Welche Werte in Ihrer Einrichtung gelten, legt das Hygieneteam fest.

Wie oft sollte im Pflegeheim gelüftet werden?

Musterhygienepläne für Pflegeheime fordern, dass eine natürliche Lüftung möglich ist, legen aber keine feste Häufigkeit fest [14]. Die Häufigkeit gehört in den Hygieneplan der Einrichtung. Raumdaten können zeigen, wie sich CO₂-Werte und Temperatur mit der vereinbarten Routine im Alltag entwickeln.

Wie lässt sich Schimmel im Krankenhaus oder Pflegeheim früh erkennen?

Schimmel braucht dauerhaft hohe Feuchte an Oberflächen, nach dem Umweltbundesamt etwa 70 bis 80 % [9]. Eine laufende Messung der Raumluftfeuchte zeigt, welche Räume regelmäßig feucht sind. Ob Schimmel vorhanden ist, klären eine Begehung und gegebenenfalls eine bauliche Untersuchung.

Ersetzen Raumsensoren die Temperaturdokumentation im Lager?

Sie können eine Dokumentation der Raumbedingungen liefern, etwa für die Lagerung „trocken und bei Raumtemperatur“ [6]. Wo ein validiertes Überwachungssystem vorgeschrieben ist, zum Beispiel bei Arzneimittelkühlschränken, ersetzen sie es nicht.

Dürfen Sensoren im OP oder auf der Intensivstation installiert werden?

Das entscheidet das Hygieneteam der Einrichtung. In Bereichen mit Sonder-RLT gelten besondere Anforderungen an Material, Reinigung und Arbeiten [3][7]. Fact & Feeling installiert dort nur nach Absprache und steuert dort nichts.

Ist Fact & Feeling ein Hygiene- oder Medizinprodukt?

Nein. Fact & Feeling misst Raumbedingungen für den Gebäudebetrieb. Es trifft keine Aussagen zu Hygiene, Infektionen oder Gesundheit von Patientinnen und Patienten und überwacht keine Medizinprodukte.

Quellen

  1. Bundesministerium der Justiz (2026): Infektionsschutzgesetz, § 23 Nosokomiale Infektionen; Resistenzen; Rechtsverordnungen durch die Länder. https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__23.html
  2. Bundesministerium der Justiz (2026): Infektionsschutzgesetz, § 35 Infektionsschutz in Einrichtungen und Unternehmen der Pflege und Eingliederungshilfe. https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__35.html
  3. DIN (2018): DIN 1946-4:2018-09 Raumlufttechnik – Teil 4: Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens (geändert durch DIN 1946-4/A1:2025-11). https://www.dinmedia.de/de/norm/din-1946-4/294438653
  4. VDI (2018): VDI 6022 Blatt 1:2018-01 Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte (VDI-Lüftungsregeln). https://vdi.de/en/home/vdi-standards/details/vdi-6022-blatt-1-ventilation-and-indoor-air-quality-hygiene-requirements-for-ventilation-and-air-conditioning-systems-and-units-vdi-ventilation-code-of-practice-1
  5. KRINKO (2022): Infection prevention requirements for the medical care of immunosuppressed patients (englische Fassung; rechtlich maßgeblich ist das deutsche Original: Anforderungen an die Infektionsprävention bei der medizinischen Versorgung von immunsupprimierten Patienten, Bundesgesundheitsblatt 2021;64:232–264). GMS Hygiene and Infection Control 17:Doc07. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9174886
  6. KRINKO und BfArM (2012): Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Bundesgesundheitsblatt 55:1244–1310. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/12400/Medprod_Rili_2012.pdf
  7. DGKH, Sektion Hygiene in der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege/Rehabilitation (2015): Hygieneanforderungen an Mitarbeiter der Haustechnik und externe Handwerker in hygienerelevanten Bereichen. Hyg Med 40(3). https://www.krankenhaushygiene.de/pdfdata/hm/2015_HM_03_technik.pdf
  8. Umweltbundesamt, Ausschuss für Innenraumrichtwerte (2008, Seite Stand 2022): Hygienische Leitwerte für die Innenraumluft (Kohlendioxid). https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/4031/bilder/dateien/hygienische_leitwerte_0.pdf
  9. Umweltbundesamt (2024): Zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden – Leitfaden. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/240513_uba_fb_schimmelleitfaden.pdf
  10. Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (2024): Bauanforderungen und funktionelle Empfehlungen aus der Sicht der Hygiene für den Neubau und die Sanierung von Krankenhäusern und Universitätskliniken in M-V. https://www.lagus.mv-regierung.de/serviceassistent/download?id=1670233
  11. ASHRAE (2023): Indoor Carbon Dioxide, Ventilation and Indoor Air Quality. https://www.ashrae.org/file%20library/about/government%20affairs/public%20policy%20resources/briefs/indoor-carbon-dioxide-ventilation-and-indoor-air-quality_2023.pdf
  12. NHS England (2021): Health Technical Memorandum 03-01: Specialised ventilation for healthcare premises, Part A. https://www.england.nhs.uk/wp-content/uploads/2021/05/HTM0301-PartA-accessible-F6.pdf
  13. NHS England (2021): Health Technical Memorandum 03-01, Part B: The management, operation, maintenance and routine testing of existing healthcare ventilation systems. https://www.england.nhs.uk/wp-content/uploads/2021/05/HTM0301-PartB-accessible-F6.pdf
  14. Länder-Arbeitskreis zur Erstellung von Hygieneplänen (2009): Rahmen-Hygieneplan für Alten- und Altenpflegeheime, Fassung Sachsen. https://www.gesunde.sachsen.de/download/Rahmenhygieneplan-Altenpflege.pdf