Das Raumklima im Krankenhaus wird selten gemessen und oft erst bemerkt, wenn sich jemand beschwert: Das Zimmer ist nachts zu laut, am Nachmittag zu warm, im Mehrbettzimmer riecht die Luft verbraucht. Patientinnen und Patienten verbringen Tage oder Wochen in einem Raum, den sie kaum beeinflussen können, und das Personal arbeitet rund um die Uhr in denselben Räumen. Dieser Artikel ordnet die sechs Raumgrößen ein, die das Raumklima beschreiben: Temperatur, Luftfeuchte, CO₂ als Hinweis auf die Lüftung, Partikel, Schall und Licht. Er zeigt, welche Orientierungswerte Behörden, Normen und Studien nennen, warum Planungswerte und gemessene Wirklichkeit auseinanderliegen und was laufende Raumdaten leisten können und was nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Raumklima im Krankenhaus besteht aus mehreren Größen, die sich gegenseitig beeinflussen. Für fast jede gibt es Orientierungswerte, etwa die CO₂-Leitwerte des Umweltbundesamts oder die Schallwerte der WHO für Krankenzimmer [3][6].
- Messstudien zeigen, dass Krankenhäuser die Schallempfehlungen der WHO häufig nicht erreichen, auch nachts [7][8].
- Planungswerte beschreiben, wie ein Raum sein soll. Ob er so ist, zeigt nur eine Messung über Tage, Nächte und Jahreszeiten.
- Raumdaten beschreiben Räume, nicht Menschen. Sie ersetzen weder ärztliche Einschätzung noch Hygienebewertung. Hygienekritische Bereiche folgen DIN 1946-4 und den Vorgaben der Krankenhaushygiene [14].
Raumklima im Krankenhaus: worum es geht
In Deutschland gab es 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamts 1.841 Krankenhäuser mit durchschnittlich 472.900 aufgestellten Betten; 17,5 Millionen Menschen wurden stationär behandelt [1]. Jedes dieser Betten steht in einem Raum mit eigenem Raumklima. Wie sich dieser Raum anfühlt, hängt von seiner Lage im Gebäude ab, von der Himmelsrichtung, von der Belegung, vom Besuch, von der Technik und von der Tageszeit.
Fachlich spricht man oft von Innenraumqualität oder „Indoor Environmental Quality”. Eine systematische Literaturübersicht aus dem Jahr 2024 nennt Tageslicht, thermischen Komfort, Akustik und Raumluftqualität als ihre Bestandteile. Nach dieser Übersicht bringen die ausgewerteten Studien gute Innenraumqualität mit Genesung, weniger Stress und kürzerer Verweildauer in Verbindung; wie die Faktoren zusammenwirken, sei jedoch wenig untersucht [2]. Das sind Zusammenhänge in Gruppen, kein Nachweis dafür, was eine einzelne Maßnahme in einem bestimmten Haus bewirkt.
Für den Betrieb eines Hauses ist eine einfachere Frage wichtiger: Wie ist das Raumklima auf unseren Stationen tatsächlich, Raum für Raum, Tag und Nacht? Für Krankenhäuser und Kliniken ist das der Ausgangspunkt jeder Verbesserung.
Abbildung 1: Sechs Raumgrößen und woran sie sich orientieren. Quelle: [3][6][10][13].
Die sechs Raumgrößen und ihre Orientierungswerte
Temperatur im Patientenzimmer
Die Raumtemperatur ist die Größe, die Menschen am schnellsten bemerken. Für Wohnräume hält die Weltgesundheitsorganisation in gemäßigten und kälteren Klimazonen 18 °C für eine sichere und ausgewogene Innentemperatur in der kalten Jahreszeit [9]. Für Hitze ist im Gesundheitswesen vor allem der Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser des Bundesgesundheitsministeriums relevant. Er empfiehlt einen Raumplan für das gesamte Klinikum, der besonders betroffene Bereiche darstellt, rät dazu, vulnerable Patientinnen und Patienten bei Hitzewarnung in kühlere Zimmer zu verlegen, und besonders heiße Zimmer zu sperren [10]. Einen festen Temperaturgrenzwert für Patientenzimmer nennt er nicht [10]. Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA beschreibt für Pflegeeinrichtungen, dass gefährdete Gruppen sich oberhalb von 26 °C schwer abkühlen können, und empfiehlt einen kühlen Bereich unter dieser Temperatur [11].
Für Planung und Bewertung legt DIN EN 16798-1 Eingangsparameter für das Innenraumklima fest, ausdrücklich für Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik [13]. Diese Werte beschreiben Auslegung und Komfort, nicht medizinische Grenzen.
Luftfeuchtigkeit im Krankenhaus
Relative Luftfeuchte schwankt mit Jahreszeit, Lüftung und Heizung. Im Winter ist sie in beheizten Räumen oft niedrig, in Bädern und Pflegebädern nach der Nutzung hoch. Anhaltend hohe Feuchte ist vor allem bautechnisch relevant, weil sie Schimmel begünstigen kann. Für raumlufttechnische Anlagen in Gesundheitsbauten regelt DIN 1946-4 die Anforderungen [14].
CO₂ als Hinweis auf die Lüftung
CO₂ wird von Menschen ausgeatmet. Seine Konzentration zeigt, wie viel verbrauchte Luft sich im Raum angesammelt hat, und ist damit ein Indikator für die Lüftung bei Belegung. Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte beim Umweltbundesamt bewertet Konzentrationen unter 1.000 ppm als hygienisch unbedenklich, 1.000 bis 2.000 ppm als hygienisch auffällig und über 2.000 ppm als hygienisch inakzeptabel; im mittleren Bereich empfiehlt er, die Lüftung zu verbessern [3].
Abbildung 2: CO₂-Leitwerte des Ausschusses für Innenraumrichtwerte. Quelle: [3].
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist CO₂ kein Maß für Keime oder Schadstoffe, sondern ein Maß für verbrauchte Luft. Zweitens hängt der Wert von der Belegung ab: Eine Messstudie in zwei britischen Pflegeheimen weist darauf hin, dass niedrige CO₂-Werte auch bedeuten können, dass wenige Menschen im Raum sind [4]. Ein Forschungsprojekt der Universität Leeds mit den Leeds Teaching Hospitals hält fest, dass CO₂-Monitore als Hinweis auf die Lüftung vielfach empfohlen werden, im Gesundheitswesen aber bisher kaum eingesetzt sind und die Datenlage dafür sehr begrenzt ist [5].
Partikel und flüchtige organische Verbindungen
Feinstaub entsteht drinnen etwa durch Bewegung, Reinigung oder gelangt von außen herein. Flüchtige organische Verbindungen (VOC) stammen unter anderem aus Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, Materialien und Möbeln. Für Gesundheitsbauten sind diese Werte vor allem als Verlauf aufschlussreich: Wann steigen sie, in welchen Räumen, nach welchen Tätigkeiten? Für Bereiche mit besonderen Anforderungen an die Luftreinheit gelten die Vorgaben von DIN 1946-4 [14].
Lärm im Krankenhaus, auch nachts
Schall ist auf vielen Stationen das häufigste Thema. Die Leitlinien der WHO für Umgebungslärm empfehlen für Krankenzimmer in der Nacht 30 dB LAeq und Einzelereignisse von höchstens 40 dB LAmax; in Räumen, in denen Patientinnen und Patienten behandelt, beobachtet werden oder ruhen, sollen 35 dB LAeq nicht überschritten werden [6].
Messungen zeigen, wie weit der Alltag davon entfernt ist. In einer Untersuchung am Johns Hopkins Hospital lagen die mittleren Schallpegel im Bereich von 50 bis 60 dB(A); kein Messort erfüllte die WHO-Empfehlungen, viele Stationen zeigten nachts kaum eine Absenkung, und die Daten aus 45 Jahren deuteten auf steigende Pegel hin [7]. In einer Studie auf fünf Intensivstationen für Erwachsene in Großbritannien lagen die durchschnittlichen Pegel immer über 45 dB(A); Spitzen über 85 dB(A) traten an allen Standorten auf, nachts bis zu 16-mal pro Stunde [8]. Die Autoren halten die WHO-Werte für Intensivstationen für nicht erreichbar [8].
Für die Planung nennt die englische Richtlinie HTM 08-01 für Einzelzimmer auf Stationen Kriterien für Lärm von außerhalb des Gebäudes von 35 dB LAeq,1h und 45 dB LAmax in der Nacht (23 bis 7 Uhr) [12].
Lärmpegel auf der Station messen
Wer Lärm auf einer Station messen will, sollte drei Dinge unterscheiden: den Grundpegel (Lüftung, Geräte), den mittleren Pegel über eine Stunde und die Spitzen. Ein hoher Mittelwert hat andere Ursachen als einzelne Spitzen durch Türen, Wagen oder Gespräche am Stützpunkt. Laufende Messung zeigt, welche Zimmer wiederholt auffallen und zu welchen Uhrzeiten. Für diese Auswertung braucht es Schallpegel, keine Gesprächsinhalte.
Licht am Tag und in der Nacht
Licht wirkt in zwei Richtungen: Am Tag geht es um ausreichend Tageslicht und Beleuchtung, in der Nacht um Dunkelheit und blendfreie Orientierung. Für Arbeitsplätze in Innenräumen, also auch für die Arbeitsbereiche des Personals, legt DIN EN 12464-1 Anforderungen an die Beleuchtung fest [15]. Wie hell ein Patientenzimmer nachts ist und wie oft das Licht angeht, zeigt erst eine Messung über die Nacht.
Tabelle 1: Orientierungswerte für das Raumklima in Gesundheitsbauten (Auswahl)
| Raumgröße | Orientierungswert | Herausgeber | Was der Wert ist – und was nicht |
|---|---|---|---|
| CO₂ | < 1.000 ppm unbedenklich, 1.000–2.000 ppm auffällig, > 2.000 ppm inakzeptabel | Umweltbundesamt/AIR [3] | Indikator für Lüftung in Innenräumen; kein Maß für Keime |
| Schall nachts, Krankenzimmer | 30 dB LAeq, 40 dB LAmax | WHO 1999 [6] | Empfehlung; in Messstudien selten erreicht [7][8] |
| Schall von außen, Einzelzimmer nachts | 35 dB LAeq,1h, 45 dB LAmax | HTM 08-01, England [12] | Planungswert für Neubau und Umbau |
| Temperatur, kalte Jahreszeit | 18 °C als sichere Innentemperatur in Wohnräumen | WHO 2018 [9] | Untergrenze für Wohnräume, kein Komfortwert für Kliniken |
| Temperatur bei Hitze | kühler Bereich unter 26 °C | UKHSA, für Pflegeeinrichtungen [11] | britische Empfehlung; in Deutschland Hitzeschutzpläne [10] |
| Raumluftqualität, Temperatur, Licht, Akustik | Eingangsparameter für Auslegung und Bewertung | DIN EN 16798-1 [13] | Planungsgrundlage, keine medizinische Grenze |
| Raumlufttechnik im Gesundheitswesen | Anforderungen je Raumklasse | DIN 1946-4 [14] | maßgebliche Norm für Planung und Betrieb; Hygiene entscheidet |
Warum Planung und Wirklichkeit auseinanderliegen
Ein Patientenzimmer wird nach Normen geplant. Danach beginnt der Betrieb, und mit ihm Einflüsse, die keine Planung vollständig vorhersieht.
Belegung wechselt. Ein Zweibettzimmer mit Besuch ist ein anderer Raum als ein leeres Zimmer. Die Lüftung ist aber meist für einen Auslegungsfall eingestellt.
Lage und Sonne. Zimmer nach Süden und Westen werden an Sommernachmittagen deutlich wärmer als Zimmer nach Norden. Der Musterhitzeschutzplan empfiehlt deshalb einen Raumplan mit besonders betroffenen Bereichen [10].
Technik altert. Verschmutzte Filter, falsch eingestellte Ventile oder Zeitprogramme, die seit Jahren niemand geprüft hat, verändern das Raumklima schleichend.
Abläufe erzeugen Schall. Übergaben, Reinigung, Versorgungswagen und Alarme von Geräten erzeugen Spitzen, die mit der Bauakustik wenig zu tun haben. In der Studie auf Intensivstationen wurde der niedrigste nächtliche Mittelwert von 51 dB(A) erst gegen vier Uhr morgens erreicht [8].
Niemand sieht alles. Die Pflege bemerkt, dass ein Zimmer stickig ist; die Technik sieht die Anlage; die Hygiene sieht die Begehung. Ein gemeinsames Bild entsteht selten.
Abbildung 3: Von der Planung zur gemessenen Wirklichkeit – und zur Frage, ob Einstellung oder Raum die Ursache ist. Quelle: eigene Darstellung nach [10][13][14].
Typische Fehler beim Blick auf das Raumklima
- Nur bei Beschwerden messen. Eine Stichprobe zur falschen Uhrzeit zeigt nichts. Raumklima schwankt über Tag, Nacht und Wochenende.
- Nur die Anlage betrachten. Die Gebäudeleittechnik zeigt Zuluft- und Abluftwerte, nicht unbedingt das Klima am Bett.
- Einzelwerte statt Verläufe. Ein einzelner hoher CO₂-Wert sagt wenig. Wiederkehrende Muster, etwa jeden Abend zur Besuchszeit, sagen viel.
- Werte falsch lesen. Ein niedriger CO₂-Wert in einem leeren Raum beweist keine gute Lüftung [4]. Ein WHO-Schallwert, der auf Intensivstationen praktisch nicht erreichbar ist [8], taugt dort eher als Richtung denn als Grenze.
- Hygienekritische Bereiche wie Normalstationen behandeln. Operationsbereiche, Intensivstationen und Isolierzimmer folgen DIN 1946-4 und den Vorgaben des Hygieneteams [14].
Raumklima je Einrichtung
Tabelle 2: Typische Schwerpunkte des Raumklimas nach Einrichtungsart
| Einrichtung | Typische Räume | Schwerpunkt der Raumgrößen |
|---|---|---|
| Krankenhaus | Patientenzimmer, Mehrbettzimmer, Aufenthaltsräume | Schall und Licht nachts, CO₂ bei voller Belegung, Hitze im Sommer |
| Pflegeheim, betreutes Wohnen | Bewohnerzimmer, Speise- und Gemeinschaftsräume, Pflegebäder | Temperatur und Hitze, Feuchte in Bädern, Licht am Tag |
| Reha-Klinik | Therapie- und Gruppenräume, Zimmer | CO₂ und Temperatur bei Gruppen, Ruhe in der Nacht |
| Psychiatrie und Psychosomatik | Zimmer, Rückzugs- und Gruppenräume | Schall, Licht und Temperatur als Reize, Tag und Nacht |
| Arztpraxis, MVZ | Wartezimmer, Behandlungsräume | CO₂ und Wärme bei vielen Menschen |
| Hospiz, Palliativstation | Zimmer, Angehörigenräume | Temperatur, Ruhe und Licht im Einzelfall |
Pflegeheime und betreutes Wohnen
Für Bewohnerinnen und Bewohner ist das Pflegeheim und Seniorenwohnen ihr Zuhause. Viele verbringen den größten Teil des Tages im eigenen Zimmer und können Fenster, Heizung oder Sonnenschutz nicht selbst bedienen. Die Luftqualität im Seniorenheim und die Raumtemperatur in Bewohnerzimmern verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit, vor allem bei Hitze. Die UKHSA empfiehlt Pflegeeinrichtungen, Innen- und Außentemperaturen in heißen Phasen regelmäßig zu prüfen und zu dokumentieren [11].
Reha, Psychiatrie und Hospiz
In einer Reha-Klinik wechseln Therapieräume schnell zwischen leer und voll; CO₂ und Temperatur steigen, wenn Gruppen trainieren. In der Psychiatrie und Psychosomatik stehen Schall, Licht und Temperatur als Reize im Vordergrund; die Planung spricht hier oft von „Healing Environment”. Der Begriff beschreibt einen Gestaltungsansatz, keine Wirkung, die sich für einen einzelnen Raum zusichern ließe. In Hospizen und auf Palliativstationen zählen Ruhe, Temperatur und Licht im einzelnen Zimmer.
Luftqualität im Wartezimmer der Arztpraxis
In Arztpraxen und MVZ füllen sich Wartezimmer in kurzer Zeit. CO₂ im Wartezimmer ist dort ein gut messbarer Hinweis darauf, wann gelüftet werden sollte; als Orientierung dienen die Leitwerte des Umweltbundesamts [3].
Was laufende Messung leistet – und wie man sie aufbaut
Eine sinnvolle Raumklimaanalyse im Krankenhaus folgt wenigen Schritten.
- Repräsentative Räume wählen: Zimmer in verschiedenen Himmelsrichtungen, Mehrbettzimmer, Zimmer nahe am Stützpunkt, Aufenthaltsräume. Nicht jeder Raum braucht einen Sensor, aber die Unterschiede sollen sichtbar werden.
- Lange genug messen: Werktage, Wochenenden, Nächte. Für Hitze den Sommer, für trockene Luft die Heizperiode.
- Zielbereiche abstimmen: Welche Werte je Raumart gelten, legen Technik, Pflege und Hygiene gemeinsam fest, auf Basis von Normen und Leitwerten wie in Tabelle 1.
- Verläufe lesen, nicht Einzelwerte: Wiederkehrende Zeiten und Räume sind das Ergebnis, nicht der höchste Messwert.
- Ursache klären: Liegt es an Einstellung und Betrieb, etwa an Zeitprogrammen oder Sollwerten, oder am Raum selbst, etwa an fehlendem Sonnenschutz oder harter Akustik?
- Wirkung prüfen: Nach einer Änderung zeigt dieselbe Messung, ob sich etwas verändert hat.
Wie Fact & Feeling dabei unterstützt
Fact & Feeling ist die Marke der NodeByNode Systems Design UG für Gesundheitsbauten. Sensoren messen Raumbedingungen: CO₂, Feinstaub, VOC, Temperatur, Luftfeuchte, Licht und Schall, angebunden per WLAN. Eine KI-Plattform zeigt die Räume im Grundriss mit Live-Werten, Verläufen, Auffälligkeiten und Hinweisen.
- Audit und Analyse: eine Raumklimaanalyse im Krankenhaus oder eine Raumklimamessung im Pflegeheim für einen begrenzten Zeitraum, mit Auswertung je Bereich und Empfehlungen.
- Raumklima-Monitoring rund um die Uhr: Die Geräte bleiben, die Plattform zeigt Verläufe über Tage, Wochen und Monate und erstellt regelmäßige Berichte, etwa ein Nachtprofil je Station mit den Zimmern, die wiederholt auffallen.
- Automation: Wo Lüftung, Heizung, Licht oder Sonnenschutz angebunden sind, kann die Plattform in den Grenzen steuern, die die Einrichtung festlegt, oder Empfehlungen geben. Sensible Bereiche bleiben bei Empfehlungen.
- Raum- und Architekturberatung: Wenn die Daten zeigen, dass der Raum selbst die Ursache ist, etwa bei Akustik oder Sonnenschutz, folgen Empfehlungen, abgestimmt mit den Planerinnen und Planern der Einrichtung.
Was Fact & Feeling nicht tut: Fact & Feeling misst Räume, keine Menschen. Es stellt keine Diagnosen, macht keine Aussagen zur Gesundheit einzelner Personen, bewertet keine Hygiene und ersetzt weder Hygienefachpersonal noch Medizintechnik, sicherheitsrelevante Alarmsysteme oder Wartung durch Hersteller. Es zertifiziert nichts.
Grenzen und Risiken
- Gesundheit: Orientierungswerte und Studien beschreiben Zusammenhänge, keine Diagnosen. Wer Beschwerden hat, wendet sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Ob ein bestimmtes Raumklima für eine bestimmte Person geeignet ist, beurteilt das Behandlungsteam.
- Hygiene: Für Operationsbereiche, Intensivstationen und Isolierzimmer gelten DIN 1946-4, die Empfehlungen der KRINKO und die Vorgaben des Hygieneteams [14]. Änderungen an der Lüftung dort nur mit dem Hygieneteam und im Rahmen der Norm.
- Grenzwerte: Viele Werte in diesem Artikel sind Empfehlungen oder Planungswerte, keine gesetzlichen Grenzwerte für Patientenzimmer. Welche Werte im eigenen Haus gelten, legt die Einrichtung mit Technik und Hygiene fest.
- Messung: Jede Messung hat Grenzen; Lage und Höhe eines Sensors beeinflussen das Ergebnis. Messwerte sind Orientierung, keine geprüften Nachweise.
- Bauliche Änderungen: Akustik, Sonnenschutz oder Raumaufteilung verändern Planerinnen, Architekten und Fachfirmen.
- Datenschutz: Auch Raumdaten wie CO₂ oder Schallpegel können Rückschlüsse auf Anwesenheit erlauben. Zugriffe, Speicherdauer und Zweck sollten mit dem Datenschutz der Einrichtung abgestimmt werden, bei Schallmessung auch, wie Geräte Audio verarbeiten.
Häufige Fragen
Wie warm sollte ein Patientenzimmer sein?
Einen gesetzlichen Wert für Patientenzimmer gibt es nicht. Für Wohnräume nennt die WHO 18 °C als sichere Innentemperatur in der kalten Jahreszeit [9]; für Planung und Bewertung gibt DIN EN 16798-1 Eingangsparameter vor [13]. Bei Hitze empfiehlt der Musterhitzeschutzplan, besonders betroffene Bereiche zu kennen und vulnerable Patientinnen und Patienten in kühlere Zimmer zu verlegen [10]. Was für eine einzelne Person passt, entscheidet das Behandlungsteam.
Welche Luftfeuchtigkeit ist im Krankenhaus richtig?
Das hängt vom Raum ab. Für raumlufttechnische Anlagen in Gesundheitsbauten regelt DIN 1946-4 die Anforderungen [14]. Für die Planung anderer Räume gibt DIN EN 16798-1 Eingangsparameter vor [13]. Zielbereiche für die Feuchte legen Technik und Hygiene je Raumart fest.
Wie laut darf es nachts im Krankenhaus sein?
Die WHO empfiehlt für Krankenzimmer nachts 30 dB LAeq und Spitzen bis 40 dB LAmax [6]. Messstudien zeigen, dass diese Werte in der Praxis selten erreicht werden [7][8]. Ein gesetzlicher Grenzwert für den Betrieb ist das nicht.
Ist CO₂ ein Maß für die Luftqualität im Patientenzimmer?
CO₂ zeigt, wie viel verbrauchte Luft im Raum ist, und damit, wie gut ein belegter Raum gelüftet wird. Das Umweltbundesamt bewertet Werte unter 1.000 ppm als hygienisch unbedenklich [3]. Keime, Gerüche oder Schadstoffe misst CO₂ nicht, und niedrige Werte können schlicht bedeuten, dass wenige Menschen im Raum sind [4].
Wie misst man den Lärmpegel auf einer Station?
Mit Schallpegelmessern oder Sensoren, die über Tage und Nächte Mittelwerte und Spitzen erfassen. Wichtig ist, mehrere Zimmer und Uhrzeiten zu vergleichen. Für die Auswertung genügen Pegel; Gesprächsinhalte werden nicht benötigt.
Was ist ein Raumklima-Monitoring im Krankenhaus?
Sensoren bleiben dauerhaft in ausgewählten Räumen, eine Plattform zeigt Live-Werte und Verläufe, und Abweichungen vom vereinbarten Zielbereich werden sichtbar. Ein Monitoring ersetzt keine Hygienebewertung und keine ärztliche Einschätzung.
Gelten für Pflegeheime andere Werte als für Krankenhäuser?
Die Orientierungswerte für CO₂ oder Temperatur sind dieselben, die Räume sind es nicht: Im Pflegeheim ist das Zimmer ein Zuhause, in dem Menschen viele Stunden verbringen. Für Hitze empfiehlt etwa die UKHSA Pflegeeinrichtungen einen kühlen Bereich unter 26 °C [11].
Quellen
- Deutsches Ärzteblatt (2025): Krankenhäuser verzeichnen deutlichen Personalaufwuchs (Daten des Statistischen Bundesamts für 2024). https://www.aerzteblatt.de/news/krankenhauser-verzeichnen-deutlichen-personalaufwuchs-3aee6400-4f6d-46af-b085-ac635a728050
- Ackley, A. et al. (2024): Indoor environmental quality (IEQ) in healthcare facilities: A systematic literature review and gap analysis. Journal of Building Engineering 86, 108787. https://openaccess.wgtn.ac.nz/articles/journal_contribution/Indoor_environmental_quality_IEQ_in_healthcare_facilities_A_systematic_literature_review_and_gap_analysis/27160026/1
- Umweltbundesamt, Ausschuss für Innenraumrichtwerte (2008, Stand 2022): Hygienische Leitwerte für die Innenraumluft – Kohlendioxid. https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/4031/bilder/dateien/hygienische_leitwerte_0.pdf
- Khaliq, K. A. et al. (2024): Environmental data monitoring and infection risks in UK care-homes in the context of COVID-19. Building and Environment 250, 111174. https://eprints.whiterose.ac.uk/207425/
- University of Leeds: Role of CO2 monitoring to manage ventilation effectiveness in hospital wards (Projektbeschreibung). https://fluid-dynamics.leeds.ac.uk/projects/role-of-co2-monitoring-to-manage-ventilation-effectiveness-in-hospital-wards/
- Weltgesundheitsorganisation (1999): Guidelines for community noise. https://www.who.int/publications-detail-redirect/a68672
- Busch-Vishniac, I. J. et al. (2005): Noise levels in Johns Hopkins Hospital. Journal of the Acoustical Society of America 118(6), 3629–3645. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16419808/
- Darbyshire, J. L.; Young, J. D. (2013): An investigation of sound levels on intensive care units with reference to the WHO guidelines. Critical Care 17, R187. https://ora.ox.ac.uk/objects/uuid:7205a421-3b33-4211-b358-5b31b18af4e1
- Weltgesundheitsorganisation (2018): WHO Housing and Health Guidelines, Kapitel 4: Low indoor temperatures and insulation. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK535294/
- Bundesministerium für Gesundheit (2024): Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/H/Hitzeschutzplan/Musterhitzeschutzplan_Krankenhaeuser_BF.pdf
- UK Health Security Agency (2025): Supporting vulnerable people before and during hot weather: social care managers. https://www.gov.uk/guidance/supporting-vulnerable-people-before-and-during-hot-weather-social-care-managers
- NHS England (2013): Health Technical Memorandum 08-01: Acoustics. https://www.england.nhs.uk/wp-content/uploads/2021/05/HTM_08-01.pdf
- DIN EN 16798-1:2022-03: Energetische Bewertung von Gebäuden – Lüftung von Gebäuden – Teil 1: Eingangsparameter für das Innenraumklima zur Auslegung und Bewertung der Energieeffizienz von Gebäuden bezüglich Raumluftqualität, Temperatur, Licht und Akustik. https://www.dinmedia.de/de/norm/din-en-16798-1/349622591
- DIN 1946-4:2018-09: Raumlufttechnik – Teil 4: Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens (geändert durch DIN 1946-4/A1:2025-11). https://www.dinmedia.de/de/norm/din-1946-4/294438653
- DIN EN 12464-1:2021-11: Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten – Teil 1: Arbeitsstätten in Innenräumen. https://www.dinmedia.de/de/norm/din-en-12464-1/334047306